2 Chronicles 36:11-21

Zedekia wird König von Juda

Dann wird Zedekia König von Juda (2Chr 36:11; 2Kön 24:18-20; Jer 37:1). Zedekia bedeutet „der HERR ist meine Gerechtigkeit“. Zedekia macht seinem Namen keine Ehre; denn er tritt die Gerechtigkeit des HERRN mit Füßen. Infolgedessen wird er diese Gerechtigkeit am eigenen Leib erfahren. Er ist der letzte König von Juda.

Zedekia ist eine schwache Figur und ein schlechter Mensch. Auch „er tat, was böse war in den Augen des HERRN, seines Gottes“ (2Chr 36:12). Er demütigt sich nicht vor dem Propheten Jeremia. Das kann man sagen, denn Jeremia spricht im Auftrag des HERRN, wörtlich: „aus dem Mund des HERRN“ (vgl. Jer 1:6-9; Jer 37:2). Zedekia lässt ihn zwar kommen, hört aber nicht auf seine Worte.

Dass er das Wort Jeremias ignoriert, bedeutet, dass er in Rebellion gegen Gott lebt. Das Ergebnis ist, dass er sich gegen Nebukadnezar auflehnt und damit den Eid bricht, den Nebukadnezar ihm auferlegt hat (2Chr 36:13; Hes 17:13-19). Dies bringt ihm eine einzigartige Erwähnung ein. Von ihm wird gesagt, dass er sowohl hartnäckig ist als auch, dass er sein Herz verstockt. Eine solche Kombination kommt nur hier in der Schrift vor. Er hat einen unbeugsamen Hals und ein verhärtetes Herz. Indem er sein eigenes Herz mutwillig verhärtet, beraubt er sich selbst der Chance zur Bekehrung. Dies wird durch die Worte „so dass“ angezeigt.

Die Gottlosigkeit ist nicht auf Zedekia beschränkt. Es heißt: „Wie der König so das Volk“. Alle Obersten der Priester und des Volkes begehen weit verbreiteten Treuebruch (2Chr 36:14; Hesekiel 8–11). Sie schließen sich den Gräueln der heidnischen Völker an und verunreinigen das Haus, das der HERR für sich in Jerusalem geheiligt hat. Sie vergreifen sich an allem, was der HERR verabscheut. Sie übernehmen die gesamte Lebensweise der Heidenvölker.

Wir sehen in dieser Endzeit Judas ein eindrucksvolles Bild für die Endzeit des Christentums, in der wir leben. Christen leben zunehmend in einer Weise, die der von Menschen ähnelt, die ohne Gott leben. Die letzten Tage sind dadurch gekennzeichnet, dass man sich selbst liebt und das Vergnügen mehr liebt als Gott (2Tim 3:1-5).

Nebukadnezar verwüstet Jerusalem

Irgendwann einmal ist das Maß voll. Bevor Gott das Gericht kommen lässt, lässt Er sie noch einmal hören, wie sehr Er sich bemüht hat, sein Volk und seine Wohnstätte zu verschonen (2Chr 36:15). Immer wieder hat Er das Volk durch seine Boten dazu aufgerufen, zu Ihm zurückzukehren. Der Ausdruck „früh sich aufmachend und sendend“ weist auf die unbedingte Dringlichkeit der Botschaft hin. Gott hat sich beeilt. Er ist nicht langsam oder sparsam gewesen in seinen Versuchen, sie zur Umkehr anzuspornen. Es hat aber alles nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Es ist treffend, von „seinem Volk und seiner Wohnung“ zu lesen. Es geht um das, was sein ist. Sein Urteil über das, was Ihm gehört, betrifft Ihn selbst. Er urteilt nicht distanziert oder unbeteiligt. Es berührt Ihn selbst zutiefst. Deshalb hat Er auch alles getan, um es nicht so weit kommen zu lassen.

Die Rebellion des Volkes Gottes und seiner Führer zeigt sich darin, wie sie seine Boten empfangen (2Chr 36:16). Alle Bemühungen Gottes, sein Volk zu sich zurückzubringen, wurden mit Verachtung und Hohn beantwortet (vgl. 2Chr 30:10; 2Pet 3:3). Die Menschen verspotten immer diejenigen, die mit einer Botschaft vom Himmel kommen, die ihnen nicht gefällt. Besonders religiöse Menschen reagieren so.

Dann ist es so weit, dass Gott das Gericht nicht mehr aufschieben kann und sein Volk und auch seine Wohnung dem Feind preisgibt. Er lässt den König der Chaldäer gegen sie aufmarschieren (2Chr 36:17). Das Gericht kommt über alle Altersgruppen, die für ihre Handlungen verantwortlich sind (vgl. Off 19:18; Off 20:12). Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person.

Gemäß den Geschichtsschreibern zieht Nebukadnezar am 15. Januar 588 v. Chr. gegen Jerusalem herauf. Am 28. Juli 586 v. Chr. fällt die Stadt. Am 14. August wird der Tempel verbrannt (2Chr 36:19). Bevor dies geschieht, werden die Schätze aus dem Haus Gottes geraubt und nach Babel gebracht (2Chr 36:18). Das werden dann die Schätze gewesen sein, die von den beiden vorherigen Plünderungen übrig geblieben sind (2Chr 36:7; 10).

Diesmal werden auch die Schätze des Königs (2Kön 20:15-17) und seiner Fürsten geraubt und mitgenommen. Alle Paläste der Fürsten, in denen sie ihr faules Leben in Genusssucht gelebt haben, gehen mit allem, was darin ist, in Flammen auf.

Gott lässt alles geschehen, weil es für Ihn nichts Begehrenswertes mehr im Tempel gibt. Er gibt seinen Tempel den Heiden preis (Ps 79:1; Klgl 2:1; 7; Klgl 4:1; Jer 51:51). Das sehen wir auch, wenn die Gemeinde ihren „Laodizäa-Geist“ offenbart (Off 3:14-22). Auch darin gibt es nichts, was Ihm gefällt. Deshalb wird Er die Christenheit, die auf das große Babylon zusteuert, dem Gericht überlassen (Off 17:15-18; Off 18:1; 2; 19).

Alle, die nicht getötet wurden, werden von Nebukadnezar nach Babel gebracht, um ihm und seinen Söhnen als Sklaven zu dienen (2Chr 36:20). Das Gericht ist umfassend, die Demütigung vollständig. Dennoch ist die Verwerfung nicht endgültig, sondern nur vorübergehend. Es ist die Rede von einem „bis“, nämlich „bis das Königreich der Perser zur Herrschaft kam“. Persien ist das Königreich, durch das Gott Babel richtet und dem Er dann die Weltherrschaft gibt (5Mo 5:28).

Was passiert, wenn die Perser die Welt regieren und damit auch die Macht über Juda und Israel haben, sehen wir gleich in den 2Chr 36:22; 23. Zuerst wird aber noch durch „das Wort des HERRN durch den Mund Jeremias“ gesagt, wie lange die Verbannung dauern wird, nämlich siebzig Jahre (2Chr 36:21; Jer 29:10; Jer 25:11; 5Mo 9:2; 24-27). Diese Periode von siebzig Jahren wird ab der ersten Wegführung nach Babel gerechnet.

Es ist kein Zufall, dass die Gefangenschaft siebzig Jahre dauert. Das Volk wurde siebzig Jahre lang aus dem Land vertrieben, um dem Land seine Sabbate zu geben. Gott hat eine vollkommene Zeitspanne bestimmt, in der das Land nach all dem Götzendienst, den das Volk dort getrieben hat, zur Ruhe kommen soll (3Mo 26:34; 35; 43a).

Wenn diese Jahre erfüllt sind, erfüllt der HERR sein Wort und bringt das Volk zurück in sein Land und in seine Stadt und in sein Haus. Die Erfüllung dessen sehen wir in den Büchern Esra und Nehemia. Die nächsten beiden Verse, die letzten beiden in diesem Bibelbuch, bereiten uns darauf vor.

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