Matthew 11:20-30

Wehe über die Städte von Galiläa

Wenn der Herr Vorwürfe ausspricht, sind diese vollkommen gerecht. Jedem Menschen, der sich nicht bekehrt hat, wird eben dies vorgeworfen werden, dass er sich nicht bekehrt hat. Sich nicht zu bekehren beweist nämlich, dass man nicht will. Abhängig vom Maß der Strafmündigkeit fallen die Vorwürfe für den einen schwerer, für den anderen weniger schwer aus. Ein Richter, der das Gesetz, das er anwenden soll, selbst übertritt, hat eine höhere Schuld als jemand, der es unwissend übertreten hat.

Genauso ist es bei den Städten, in denen der Herr Jesus aufs Deutlichste hat erkennen lassen, wer Er ist. Wenn diese Städte Ihn trotz der Fülle an Beweisen ablehnten, dann sind sie schuldiger als andere Städte, in denen Er sich nicht in gleicher Weise offenbart hat. Auch die heidnischen Städte werden das Gericht empfangen, das sie aufgrund ihrer Unmoral verdienen. Aber doch wird das Urteil über sie leichter ausfallen als das über die Städte, denen der Herr Jesus ein so deutliches Zeugnis von sich selbst gegeben hat und die Ihn trotzdem verworfen haben.

Wir könnten uns die Frage stellen, warum Gott dann den hier vom Herrn genannten Städten nicht auch solch ein Zeugnis gegeben hat. Hätten sie sich denn dann nicht bekehrt? Tyrus und Sidon, Sodom und Gomorra haben aber gemäß der Weisheit Gottes eine vollkommene und zu ihnen passende Offenbarung von Gott bekommen. Sie hatten das Zeugnis Gottes in der Schöpfung (Röm 1:19; 20). Aber sie haben sich nicht vor Gott gebeugt! Sie haben ihr verdorbenes Wesen ausgelebt und Gottes Offenbarung in der Schöpfung nicht angenommen. Aufgrund dieser Ablehnung des Zeugnisses Gottes werden sie gerichtet werden. Ebenso wird Gott alle Völker dieser Gehorsamsprüfung unterwerfen, und zwar auf eine Weise, die vollkommen ihrer Verantwortung entspricht.

Von Kapernaum wird noch etwas Besonderes gesagt. Diese Stadt hat ein noch größeres Vorrecht zurückgewiesen als alle anderen Städte Israels. Denn der Herr Jesus hat dort gewohnt, und sie haben Ihn Tag für Tag erlebt. Durch seine Anwesenheit ist diese Stadt zum Himmel erhöht worden, denn in dem Sohn Gottes war der Himmel zu ihnen gekommen. In Wirklichkeit werden sie aber nicht in den Himmel kommen – im Gegenteil, sie werden bis zum Hades hinabgestoßen werden. Das gewaltige Vorrecht, dass Gott unter ihnen wohnte, haben sie nicht genutzt, es hat keinerlei Wirkung auf sie gehabt.

Ja, Vater

Nach dem Aussprechen des „Wehe“ über die Städte, in denen Er so gewirkt hatte, könnten wir denken, der Herr sei entmutigt worden. So hat Er sich prophetisch in Jesaja 49 auch geäußert (Jes 49:4). Es schien, als sei alles vergeblich gewesen. Aber dann lesen wir die Antwort Gottes: Es war nicht vergebens; aus seiner Verwerfung wird sogar ein noch größerer Segen hervorgehen, nicht nur für Israel, sondern für alle Völker (Jes 49:5; 6). Und hier nun lesen wir die Antwort Jesu auf seine Verwerfung durch das Volk.

Er preist den Vater als den Herrn des Himmels und der Erde. Damit bringt Er zum Ausdruck, dass alles im Himmel und auf der Erde seiner Macht unterliegt. Ihm läuft gar nichts aus der Hand, sondern alles dient seinen Zielen. Nur kleine Kinder, Gläubige, die keine hohe Meinung von sich haben, erkennen das.

Die Weisen und Verständigen der Welt haben davon überhaupt keine Ahnung, es ist ihnen vollends verborgen. Tiefsinnige Denker, die Weisen, kommen nicht auf eine solche Idee, dass Gott so seine Pläne erfüllt. Sie suchen Lösungen im Innern des Menschen. Wenn die Menschen sich anders verhalten, wird schon alles gut werden – so meinen sie. Scharfsinnige Denker, die Verständigen, suchen die Lösung in der Umwelt, in der Natur. Wenn sie nur das Umfeld verändern, würde alles gut werden. Für den Vater aber hat man keinen Raum, geschweige denn für ein „Ja, Vater“. Gerade das aber ist die Auflösung für jede Enttäuschung. In diesem „Ja, Vater“ kommt nicht nur Ruhe, sondern völlige Zustimmung zum Ausdruck. Keine Frage, ob es auch anders möglich wäre, sondern die Sicherheit, dass nur so alles richtig ist. Dazu kommt noch das Bewusstsein des Wohlgefallens des Vaters. Er handelt nicht nur gut, Er handelt entsprechend seinem Wohlgefallen, seiner Freude.

In diesem Vertrauen zum Vater und dem Bewusstsein, dass das Wohlgefallen des Vaters Ursprung und Ziel seines Handelns ist, sieht der Herr Jesus das ganze Ausmaß der Herrlichkeit, die seiner Verwerfung folgen würde. Der Thron Israels wird Ihm verweigert, die Juden verwerfen Ihn, die Führer verachten Ihn. Aber was bekommt Er? Alle Dinge – also viel mehr als das, was David und Salomo verheißen war. Als Messias wird Er abgelehnt. Dafür aber wird offenbar, dass Er der ewige Sohn des Vaters ist. Die früheren Verheißungen werden im Augenblick nicht erfüllt. Aber was tut Er? Er offenbart den Vater und bringt dadurch die Gläubigen zu einer tieferen Kenntnis Gottes als es vordem möglich war.

Kommt her zu Mir

Der Herr Jesus will uns in Gemeinschaft mit seinem Vater bringen. Die Mühsal und die Lasten, die das verhindern, will Er uns wegnehmen. Menschen, die durch ihr elendes Leben ermüdet und mit Sünden beladen sind, für die die Sündenlast ein schwerer Druck ist und die sich dessen auch bewusst sind – sie alle dürfen zum Herrn Jesus kommen.

Dieses Wort richtet der Herr nicht nur an Juden, sondern an „alle“. Die Freude an diesem großen Vorrecht ist für jeden, der zu Ihm kommt. Dafür stellt der Herr keinerlei Bedingungen. Allen, die zu Ihm kommen, gibt Er Ruhe, denn Er hat die Last ihrer Sünden auf Golgatha auf sich genommen. So nimmt Er bis heute allen die Sünden ab, die Jünger des Reiches werden und in die Gemeinschaft mit seinem Vater eingeführt werden.

Aber es gehört noch mehr dazu. Wer einmal ein Jünger geworden ist, muss lernen, wie man als Jünger sein Leben führen muss. Das kann man allein von dem Herrn Jesus lernen. Dazu muss man das Joch der vollen Unterwerfung unter den Vater aufnehmen, wie der Herr Jesus es getan hat. Das sehen wir, wenn Er den Vater auch dann noch preist, wenn Er die größte Ablehnung erfährt. Diese drückt Ihn nicht nieder, sondern Er nimmt sie aus der Hand des Vaters an. Der Herr ist sanftmütig und demütig – unter allen Umständen. Niemals hat Er vor dem Vater auch nur die kleinste Beschwerde ausgesprochen.

Wenn es uns schwer fällt, sein Joch zu tragen, dann liegt es daran, dass wir nicht demütig sind. Wenn wir aufbegehren wollen, dann sind wir nicht sanftmütig. Immer wieder müssen wir lernen, dem Vater alles zu übergeben.

Die Gnade überlässt es dem Menschen nicht, zu tun, was er selbst will, sondern sie versetzt das Herz, das die Gnade annimmt, in die Lage, den Willen Gottes auch selbst tun zu wollen – und dadurch findet es Ruhe. Die Ruhe, die der Herr gibt, ist für den Sünder, der zu Ihm kommt. Die Ruhe, die gefunden wird, ist für den Gläubigen, der dem Herrn folgt.

Diese Belehrung des Herrn ist neu. Von Ihm zu lernen bedeutet, Ihn selbst anzuschauen und die Beispiele, die Er überreichlich anbietet. Ein Herz voll Sanftmut und Demut ist nötig, wenn man eine Stellung der Abhängigkeit einnehmen und bewahren will. Ruhe für die Seele hat schon Jeremia als Ergebnis eines treuen Wandels auf den alten Pfaden vorgestellt (Jer 6:16). Diese Ruhe hat aber kein Mensch erreichen können. Nun aber macht der Sohn den einzigen Weg zu dieser Ruhe bekannt. Wer das von Ihm vorgestellte Joch zu tragen bereit ist, der erhält diese Ruhe. Dieses Joch ist sanft, nicht einengend, und seine Last ist nicht drückend, sondern leicht. Er selbst hilft sie tragen. Und sein Joch steht dem schweren und belastenden Joch des Gesetzes gegenüber.

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