John 18

Nach diesen Worten ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus über den Kidronbach.
Östlich von Jerusalem, zwischen der Stadt und dem Ölberg.
Dort war ein Garten.
Gethsemane.
In den trat Jesus mit seinen Jüngern.
Auch Judas, sein Verräter, kannte diesen Ort; denn Jesus hatte sich oft mit seinen Jüngern dorthin begeben. Judas nahm nun eine Abteilung Soldaten
Von der römischen Kohorte auf der Burg Antonia. Jesu Gefangennahme scheint also mit der Erlaubnis des Statthalters Pilatus vollzogen zu sein.
nebst der Mannschaft, die die Hohenpriester und die Pharisäer stellten, unter sein Geleit und kam mit dieser Schar, die Fackeln, Lampen
Trotz des Vollmondes nahm man Fackeln und Lampen mit, um Jesus finden zu können, auch wenn er sich im Dunkel des Gartens versteckt hätte.
und Waffen trugen, an jenen Ort.
Jesus wußte alles, was über ihn kommen sollte. So trat er denn hinaus und fragte sie: "Wen sucht ihr?" Sie antworteten ihm: "Jesus von Nazaret." Jesus sprach zu ihnen: "Ich bin's!" Judas, sein Verräter, stand auch bei ihnen. Als nun Jesus zu ihnen sprach: "Ich bin's", da prallten sie
Judas und die Häscher.
zurück und fielen zu Boden.
Dann fragte er sie nochmals: "Wen sucht ihr?" Sie sprachen: "Jesus von Nazaret." Jesus erwiderte: "Ich habe euch gesagt, daß ich es bin. Sucht ihr nun mich, so laßt diese
Die Jünger.
ihres Weges gehen!"
Das sagte er, damit sein Ausspruch sich erfülle: "Von denen, die du mir gegeben, habe ich keinen verloren."
17,12. Wäre einer der Jünger mit Jesus in Gefangenschaft geraten, so hätte er dadurch leicht zum Abfall verleitet werden und dann verlorengehen können.
10 Simon Petrus trug ein Schwert. Das zog er, schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Knecht hieß Malchus. 11 Jesus aber sprach zu Petrus: "Stecke das Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gereicht hat?" 12 Die Soldatentruppe mit ihrem Oberhauptmann und die Mannschaft des Hohen Rates ergriffen Jesus und banden ihn. 13 Man führte ihn zuerst zu Hannas. Dies war der Schwiegervater des Kaiphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war. 14 Kaiphas aber war es, der den Juden geraten hatte: "Es ist gut, daß ein Mensch für das Volk zugrunde gehe."
11,50.
15 Simon Petrus aber und ein anderer Jünger
Der Apostel Johannes.
folgten Jesus. Dieser Jünger war mit dem Hohenpriester bekannt
So daß er ohne Schwierigkeit in den Palast Eingang fand.
und trat darum mit Jesus in den Hof des hohenpriesterlichen Palastes,
16 während Petrus draußen an der Pforte stehen blieb. Da ging der andere Jünger, der mit dem Hohenpriester bekannt war, hinaus, redete mit der Pförtnerin und führte Petrus in den Hof. 17 Da sprach die Magd, die den Dienst als Pförtnerin versah, zu Petrus:
Da sie Johannes als einen Jünger Jesu kannte.
"Bist du nicht auch ein Jünger dieses Menschen?" Er sagte: "Nein!"
18 Die Knechte
Die Haussklaven des hohenpriesterlichen Palastes.
und die Mannschaft
Die der Hohe Rat zur Gefangennahme Jesu ausgesandt hatte (V3.12). Die römischen Soldaten (18,3) waren wohl in ihre Kaserne auf der Burg Antonia zurückgekehrt.
standen um ein Kohlenfeuer, das sie der Kälte wegen angezündet hatten, und wärmten sich. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich.
Johannes war es vielleicht gelungen, in das Innere des Palastes, möglicherweise sogar bis in das Verhörzimmer vorzudringen.
19 Der Hohepriester fragte nun Jesus wegen seiner Jünger und seiner Lehre.
V19 knüpft an V13a an.
20 Jesus antwortete ihm: "Ich habe ja frei und offen zu aller Welt geredet. Ich habe stets gelehrt in den Versammlungshäusern und im Tempel, wo sich alle Juden einzufinden pflegen, und im geheimen habe ich nichts verkündigt. 21 Warum fragst du mich? Frage meine Hörer, was ich zu ihnen geredet habe; sie wissen ja, was ich gesagt." 22 Als Jesus dies entgegnete, gab ihm einer von den Dienern, der bei ihm stand, einen Schlag ins Gesicht, indem er sprach: "So antwortest du dem Hohenpriester?" 23 Jesus erwiderte ihm: "Habe ich unrecht geredet, so beweise mir das Unrecht! Ist meine Antwort aber recht, warum schlägst du mich?"
Dieser Ausspruch Jesu dient zum richtigen Verständnis von Mt 5:39.
24 Hannas sandte ihn dann gefesselt zu dem Hohenpriester Kaiphas.
Hannas hatte nur ein Vorverhör mit Jesus gehalten.
25 Simon Petrus stand inzwischen da und wärmte sich.
Anknüpfung an V18.
Da fragte man ihn: "Gehörst du nicht auch zu seinen Jüngern?" Er leugnete aber und sagte: "Nein!"
26 Da sprach einer von des Hohenpriesters Knechten, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: "Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen?" 27 Petrus leugnete abermals. Plötzlich krähte ein Hahn. 28 Von Kaiphas führte man Jesus in die Statthalterei.
Siehe die Anmerkung zu Mt 27:27.
Der Tag begann zu grauen. Die Juden selbst betraten den Statthalterpalast nicht,
Sondern ließen Jesus wohl durch die römische Wache hineinführen.
damit sie vor Verunreinigung bewahrt blieben und das Passah essen könnten.
Das Betreten eines heidnischen Hauses, worin sich Sauerteig vorfinden konnte, hätte die Juden verunreinigt und sie unfähig gemacht, das Passah zu essen. Dies Essen des Passah versteht man nun gewöhnlich von dem Essen des Passahlammes am Abend des 14. Nisan. Dann müßte aber die Verhandlung vor Pilatus und Jesu Kreuzigung schon am Morgen des 14. Nisan stattgefunden haben, während sie von den drei ersten Evangelien auf den 15. Nisan verlegt wird. Das in Joh. 13 erzählte Mahl wäre in diesem Fall auch nicht die gesetzliche Passahmahlzeit, die erst am Abend des 14. Nisan gehalten wurde, sondern eine feierliche Abschiedsmahlzeit Jesu mit seinen Jüngern schon am Abend des 13. Nisan. Somit bestünde ein offenbarer Widerspruch zwischen der Zeitangabe des Johannes und der der drei anderen Evangelisten in bezug auf Jesu letztes Passahmahl und Todestag. Nun braucht aber das Essen des Passah in Joh 18:28 gar nicht ausschließlich von dem Essen des Passahlammes am Abend des 14. Nisan verstanden zu werden. Während des siebentägigen Festes wurden außer Lämmern und jungen Ziegen auch noch Rinder als Passahopfer geschlachtet, 5Mo 16:2, 2Ch 35:7-9 und abgesehen von der eigentlichen Passahmahlzeit am Abend des 14. Nisan, fanden auch an den übrigen Tagen des Festes feierliche Mahlzeiten statt, so daß es 2Ch 30:22 von den Israeliten heißt: "sie aßen sieben Tage hindurch das Festopfer" — ein Ausdruck, der sich mit dem in Joh 18:28 fast völlig deckt. Das Essen des Passah an dieser letzten Stelle kann deshalb auch von dem Essen der Opfer während aller sieben Tage verstanden werden. Dieser Ausdruck ist daher auch für die Festopfermahlzeit am 15. Nisan ganz angemessen. An dieser Mahlzeit hätten aber die Juden nicht teilnehmen können, wenn sie sich in der Frühe des 15. Nisan durch das Betreten der heidnischen Statthalterei verunreinigt hätten. Denn die Verunreinigung dauerte bis zum Ende des Tages, während das Festmahl des 15. Nisan im Laufe des Tages gehalten wurde. Ganz anders aber hätte die Sache bei dem Passahmahl am Abend des 14. Nisan gelegen. In der Frühe dieses Tages hätten die Juden ohne Bedenken den Palast des Pilatus betreten können. Denn eine etwaige Verunreinigung wäre ja nach Sonnenuntergang zu Ende gewesen, 4Mo 19:22 und sie hätten dann am Abend an dem eigentlichen Passahmahl teilnehmen können. Dies Mahl kann also schon deshalb in Joh 18:28 nicht gemeint sein, weil im Blick darauf bei dem Betreten des heidnischen Palastes keine von dem Essen des Passahlammes ausschließende Verunreinigung zu befürchten war. — Ein Widerspruch zwischen Johannes und den drei ersten Evangelisten besteht folglich nicht: alle vier Evangelisten setzen übereinstimmend Jesu letztes Passahmahl auf Donnerstag, den 14. Nisan, und Jesus Todestag auf Freitag, den 15. Nisan.
29 So ging denn Pilatus zu ihnen hinaus und fragte sie: "Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen?" 30 Sie antworteten ihm: "Wäre der Mann nicht ein Verbrecher, wir hätten ihn dir nicht ausgeliefert." 31 Da sprach Pilatus zu ihnen: "Dann nehmt ihr ihn hin und sprecht ihm nach euerm Gesetz das Urteil!" Die Juden aber erwiderten ihm: "Wir haben nicht das Recht, ein Todesurteil zu vollstrecken."
Unter der Römerherrschaft konnte der Hohe Rat zwar auf Todesstrafe erkennen, aber die Bestätigung und der Vollzug des Urteils waren Sache des römischen Statthalters.
32 So mußte sich jener Ausspruch Jesu
In 12,32f.
erfüllen, worin er darauf hinwies, welches Todes er sterben sollte.
Hätten die Juden damals noch das Recht über Leben und Tod gehabt, so wäre Jesus gesteinigt worden. Aber er sollte die römische Strafe der Kreuzigung erleiden.
33 Pilatus ging in den Palast zurück,
In dem sich Jesus schon befand (vgl. V28).
ließ Jesus rufen und fragte ihn: "Du bist der Juden König?"
Diese Frage setzt voraus, daß die Juden bei Pilatus schon eine Anklage gegen Jesus wegen Hochverrats erhoben hatten, indem sie ihn als einen weltlichen Messias hinstellten, der nach dem Königtum trachte und deshalb ein Feind der Römerherrschaft sei.
34 Jesus antwortete: "Meinst du das selbst, oder haben es dir andere von mir gesagt?"
Jesus will hören, ob Pilatus selbst politischen Verdacht gegen ihn hege oder ob der Hohe Rat eine Anklage wegen Hochverrats gegen ihn erhoben habe, weil er sich den Messiasnamen beilege.
35 Pilatus entgegnete: "Bin ich denn ein Jude?
Der stolze Römer kümmert sich nicht um die Glaubensstreitigkeiten der Juden über ihren Messias.
Dein eigen Volk und namentlich die Hohenpriester haben dich mir überliefert.
Darum muß nach des Pilatus Meinung doch eine Schuld bei Jesus vorliegen.
Was hast du getan?"
36 Jesus erwiderte: "Mein Königtum stammt nicht aus dieser Welt. Stammte mein Königtum aus dieser Welt, meine Mannen hätten sich voll Mut zur Wehr gesetzt, daß ich nicht den Juden preisgegeben wäre. Nun aber stammt mein Königtum nicht von dieser Erde."
Sondern vom Himmel.
37 "Also bist du doch ein König?" fragte ihn Pilatus. "Ja, du hast recht, ich bin ein König", war Jesu Antwort. "Dazu bin ich geboren, und dazu bin ich aufgetreten in der Welt, um Zeugnis für die Wahrheit abzulegen. Wer ein Freund der Wahrheit ist, der hört auf meine Stimme." 38 "Was ist Wahrheit?" entgegnete ihm Pilatus. Nach dieser Antwort ging er wieder zu den Juden hinaus und sprach zu ihnen: 39 "Ich finde keine Schuld an ihm. Es ist aber Brauch bei euch, daß ich euch am Passahfest einen Gefangenen losgebe.
So hätte Pilatus schwerlich am Morgen des 14. Nisan sprechen können, denn das Passahfest begann ja erst am Abend des 14. Die Gerichtsverhandlung vor Pilatus muß daher am Morgen des 15. Nisan stattgefunden haben. So steht Johannes auch durch diese Angabe in vollem Einklang mit den drei ersten Evangelisten: er setzt ebenso wie sie Jesu Todestag auf den 15. Nisan.
Soll ich euch nun den Judenkönig losgeben?"
40 Da fingen sie wieder an zu schreien: "Nein, nicht den, sondern Barabbas!" Barabbas aber war ein Räuber.
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