Mark 14

Es waren nun noch zwei Tage bis zu dem Fest des Passah und der ungesäuerten Brote.
Also Dienstag, den 12. Nisan; vgl. 2Mo 12:6-10, 14-20.
Da überlegten die Hohenpriester und die Schriftgelehrten, wie sie Jesus mit List in ihre Gewalt bekommen und töten könnten.
Doch sie sagten: "Nur nicht am Fest! Es könnte sonst zu einer Volkserhebung kommen." Als nun Jesus in Bethanien im Haus Simons des Aussätzigen weilte und dort zu Tisch war, kam eine Frau mit einem Glas kostbaren Salböls aus echter Narde:
Aus der Blüte der Narde, einer indischen Pflanze, wurde ein wohlriechendes Öl bereitet.
sie zerbrach das Glas und goß das Öl auf sein Haupt.
Es waren aber einige da, die unwillig zueinander sagten: "Wozu ist das Öl so verschwendet worden? Man hätte es leicht für mehr als dreihundert Silberlinge
Etwa 210 Goldmark.
verkaufen und das Geld den Armen geben können." Und sie schalten die Frau mit harten Worten.
Jesus aber sprach: "Laßt sie in Ruhe! Warum kränkt ihr sie? Sie hat ein rühmlich Werk an mir getan. Denn Arme habt ihr immer bei euch, und sooft ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr habt ihr nicht immer. Sie hat getan, was sie konnte: sie hat meinen Leib im voraus zu Begräbnis gesalbt. Wahrlich, ich sage euch: Wo in der weiten Welt die Heilsbotschaft verkündigt wird, da wird man auch zu ihrem Gedächtnis von ihrer Tat erzählen." 10 Und Judas aus Kariot, einer von den Zwölfen, ging zu den Hohenpriestern, um ihnen Jesus in die Hände zu liefern. 11 Sie aber waren über seinen Vorschlag erfreut und versprachen, ihm Geld zu geben. Da suchte er nach einer günstigen Gelegenheit, ihn zu verraten. 12 Am ersten Tag der ungesäuerten Brote, da man das Passahlamm zu opfern pflegte, sprachen die Jünger zu Jesus: "Wo sollen wir hingehen und das Passahmahl für dich bereiten?" 13 Da sandte er zwei seiner Jünger ab und gebot ihnen: "Geht in die Stadt; da wird euch ein Mann begegnen, der einen irdenen Krug mit Wasser trägt. 14 Dem folgt, und dort, wo er hineingeht, da sagt zu dem Hausherrn: 'Der Meister läßt dich fragen: Wo ist das von mir bestellte Zimmer, wo ich das Passahmahl mit meinen Jüngern halten kann?'
Jesus hatte also schon mit dem ihm befreundeten Hausbesitzer eine Verabredung getroffen. Und zwar scheint es sich hier um das Elternhaus des Markus zu handeln. vgl. Apg 12:12 Darum erzählt Markus auch wohl das einzelne so genau und anschaulich.
15 Dann wird er euch ein geräumiges Oberzimmer zeigen, mit Tischpolstern belegt und für die Mahlzeit hergerichtet. Dort rüstet alles für uns zu!" 16 Da machten sich die Jünger auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden es so, wie er ihnen gesagt hatte, und richteten die Passahmahlzeit her. 17 Als der Abend kam, fand er sich mit den Zwölfen ein. 18 Während sie bei Tische waren und aßen, sprach Jesus: "Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch, der mit mir ißt, wird mich verraten." 19 Da wurden sie betrübt, und einer nach dem anderen fragte ihn: "Ich bin's doch nicht?" 20 Er antwortete ihnen: "Einer von euch Zwölfen ist's, einer der mit mir in die Schüssel tunkt. 21 Denn der Menschensohn geht zwar zum Tod, das steht ja von ihm geschrieben. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Für diesen Menschen wäre es am besten, er wäre nie geboren." 22 Während des Essens nahm Jesus ein Brot, sprach den Segen, brach's und gab es ihnen mit den Worten: "Nehmt hin, das ist mein Leib!" 23 Dann nahm er einen Becher, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern; und sie tranken alle daraus. 24 Dabei sprach er zu ihnen: "Dies ist mein Blut, das Bundesblut, das vergossen werden soll zum Heil für viele. 25 Wahrlich, ich sage euch: Ich will von dem Gewächs des Weinstocks nicht mehr trinken bis zu dem Tage, wo ich den neuen Wein trinken werde in Gottes Königreich." 26 Nach dem Lobgesang gingen sie hinaus an den Ölberg. 27 Auf dem Weg dorthin sprach Jesus zu ihnen: "Ihr werdet alle an mir irrewerden; denn es steht geschrieben: Ich will den Hirten schlagen, und die Schafe werden sich zerstreuen.
Frei nach Sac 13:7.
28 Nach meiner Auferstehung aber will ich euch vorausgehen nach Galiläa." 29 Da sprach Petrus zu ihm: "Wenn auch alle anderen an dir irrewerden — ich nicht!" 30 Jesus antwortete ihm: "Wahrlich, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen." 31 Er aber beteuerte nur um so eifriger: "Und müßte ich auch mit dir sterben, ich verleugne dich nun und nimmer!" Ebenso sprachen auch die anderen alle. 32 Und sie kamen zu einem Landgut, mit Namen Gethsemane, da sprach er zu seinen Jüngern: "Setzt euch hier nieder, während ich bete!" 33 Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da erfaßte ihn Schrecken und Grauen. 34 Und er sprach zu ihnen: "Meine Seele ist zum Tode betrübt, bleibt hier und wacht!" 35 Dann ging er ein wenig weiter, fiel nieder zur Erde und betete, daß, wenn es möglich sein, an ihm die Stunde vorübergehe. 36 Er sprach: "Abba,
Das aramäische Wort Abba bedeutet Vater.
Vater! Dir ist ja alles möglich, laß diesen Kelch an mir vorübergehen! Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!"
37 Dann kam er zurück und fand sie schlafend und sagte zu Petrus: "Simon, du schläfst? Nicht eine Stunde konntest du wachen? 38 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist zwar ist willig, aber das Fleisch ist schwach." 39 Dann ging er abermals hin und betete mit denselben Worten. 40 Als er zurückkam, fand er sie wiederum schlafend; denn die Augen fielen ihnen zu vor Müdigkeit, und sie wußten ihm nichts zu erwidern. 41 Da kam er zum drittenmal und sprach zu ihnen: "Ihr schlaft noch weiter und ruht? Nun genug!
Mit diesen Worten weckt er die Schläfer.
Die Stunde ist da! Jetzt wird der Menschensohn in der Sünder Hände überliefert.
42 Auf, wir gehen! Seht, mein Verräter naht!" 43 In dem Augenblick, da er noch redete, erschien Judas, einer der Zwölf, begleitet von einer Schar, die, mit Schwertern und Knütteln bewaffnet, von den Hohenpriestern, Schriftgelehrten und Ältesten ausgesandt war. 44 Sein Verräter aber hatte ein Zeichen mit ihnen verabredet und gesagt: "Wen ich küsse, der ist's; den nehmt fest und führt ihn sicher ab!" 45 Als er nun kam, trat er sogleich auf ihn zu, grüßte ihn: "Meister! Meister!" und küßte ihn. 46 Da legten sie Hand an ihn und nahmen ihn gefangen. 47 Doch einer von denen, die dastanden, zog ein Schwert, schlug damit nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das Ohr ab. 48 Da wandte sich Jesus zu den Leuten und sprach: "Wie gegen einen Räuber seid ihr mit Schwertern und Knütteln ausgezogen, um mich gefangenzunehmen. 49 Tagtäglich bin ich bei euch im Tempel gewesen und habe gelehrt, und ihr habt mich nicht ergriffen. Dies alles aber geschieht, damit sich die Schriften erfüllen." 50 Da verließen ihn alle
Alle Jünger.
und flohen.
51 Ein Jüngling nur folgte ihm,
Vielleicht war Markus selbst dieser Jüngling.
der trug auf bloßem Leib ein Hemd aus feiner Leinwand. Den griffen sie.
52 Da ließ er sein Gewand im Stich und enteilte ganz unbekleidet. 53 Man führte dann Jesus vor den Hohenpriester. Dort versammelten sich alle Hohenpriester, Ältesten und Schriftgelehrten. 54 Petrus aber folgte ihm von weitem bis hinein in des Hohenpriesters Palast. Dort setzte er sich im Hof zu den Dienern und wärmte sich am Feuer. 55 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe Rat suchten nach einem Zeugnis gegen Jesus, damit sie ihn zum Tod verurteilen könnten; aber sie fanden keines. 56 Denn es brachten wohl viele falsches Zeugnis gegen ihn vor, doch ihre Aussagen stimmten nicht überein. 57 Da traten einige auf, die erhoben die falsche Anklage gegen ihn: 58 "Wir haben ihn behaupten hören: Ich will diesen von Menschenhänden errichteten Tempel niederreißen und dafür in drei Tagen einen anderen bauen, der nicht Händen gemacht ist." 59 Doch nicht einmal in diesem Wortlaut stimmte ihr Zeugnis überein. 60 Da erhob sich der Hohepriester, trat mitten in die Versammlung und fragte Jesus: "Antwortest du nichts auf das, was diese wider dich vorbringen?" 61 Er aber schwieg und gab ihm keine Antwort. Da fragte ihn der Hohepriester zum zweitenmal: "Bist du der Messias, der Sohn des Hochgelobten?"
Der Hochgelobte (nur hier im Neuen Testament als Name Gottes gebraucht) ist Jahwe.
62 Jesus erwiderte: "Ich bin's! Und ihr sollt den Menschensohn sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen mit den Wolken des Himmels." 63 Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach: "Was brauchen wir noch weiter Zeugen? 64 Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was meint ihr nun?" Da gaben alle das Urteil ab, er sei des Todes schuldig. 65 Nun begannen einige,
Einige von den Mitgliedern des Hohen Rates.
ihn anzuspeien, ihm das Gesicht zu verhüllen und ihn dann mit Fäusten zu schlagen, indem sie höhnisch riefen: "Zeige dich als Prophet!"
D.h.: Nenne doch unsere Namen!
Auch die Diener schlugen ihn ins Angesicht, als er ihnen übergeben wurde.
66 Unterdessen saß Petrus unten im Hof. Da kam eine von den Mägden des Hohenpriesters. 67 Als die sah, wie sich Petrus wärmte, schaute sie ihn an und sprach: "Du warst auch bei dem Jesus von Nazaret!" 68 Er leugnete aber und sagte: "Ich weiß nicht — ich verstehe nicht — was meinst du denn?" Dann ging er aus dem inneren Hof in den Vorhof. Da krähte ein Hahn. 69 Nun sah ihn dort dieselbe Magd, und wieder fing sie an, zu denen, die dabeistanden, zu sagen: "Das ist auch einer von ihnen!" 70 Da leugnete er von neuem: Nach einer kleinen Weile sprachen die Umstehenden wiederum zu Petrus: "Wahrhaftig, du gehörst zu ihnen! Du bist ja auch ein Galiläer; schon deine Mundart ist ganz so." 71 Nun fing er an, sich zu verwünschen und zu schwören: "Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr redet!" 72 Da krähte ein Hahn zum zweitenmal. Jetzt entsann sich Petrus des Wortes, das Jesus zu ihm gesagt hatte: "Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen." Als er daran dachte, brach er ihn lautes Weinen aus.
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