Mark 16

Als der Sabbat vorüber war,
Also: Sonnabend nach Sonnenuntergang.
kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome Gewürzkräuter, um hinzugehen und Jesu Leichnam zu salben.
Am ersten Wochentag in aller Frühe gleich nach Sonnenaufgang machten sie sich auf zum Grab. Da sprachen sie zueinander: "Wer wälzt uns wohl den Stein von der Grabesöffnung?" Doch als sie hinsahen, bemerkten sie, daß der Stein schon weggewälzt war; denn er war sehr groß.
Dieser Zusatz erklärt erstlich die Sorge der Frauen V3 und sodann die Tatsache, daß der Stein schon von weitem und im ersten Morgenlicht deutlich zu erkennen war.
Als sie dann in die Grabkammer traten,
Die Leichen wurden an den Wänden der Grabkammern in Nischen beigesetzt.
sahen sie rechts einen Jüngling in weißem Gewand sitzen. Und sie erschraken sehr.
Er aber sprach zu ihnen: "Entsetzt euch nicht! Ihr wollt nach Jesus sehen, dem Nazarener, der gekreuzigt ist? Er ist auferstanden, er ist nicht hier! Seht da die Stätte, wohin man ihn gelegt! Und jetzt geht hin und meldet seinen Jüngern, vor allen Petrus: 'Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt.'" Da verließen sie das Grab und eilten weg; denn Zittern und Entsetzen erfüllte sie. Und sie sagten niemand ein Wort davon; denn sie waren voll Furcht....
Hier schließt der ursprüngliche Text des Markusevangeliums. Dies bezeugen nicht nur die beiden ältesten, aus dem vierten Jahrhundert stammenden Handschriften des Neuen Testaments (die Sinaitische und die Vatikanische), sonder auch die in demselben Jahrhundert lebenden bekannten Kirchenväter Eusebius von Cäsarea und Hieronymus, die beide erklären, das Markusevangelium schließe fast in allen genauen griechischen Handschriften mit V8. Daß aber das Evangelium hier noch nicht zu Ende sein kann, sieht jeder ein. Der Schluß jedoch, den uns die Handschriften überliefern, stammt nicht von Markus selbst, sondern ist später hinzugefügt worden; er hat auch verschiedenen Wortlaut, den ich unter 1. 2. 3. wiedergebe. Ob der ursprüngliche Schluß des Markusevangelium verlorengegangen ist, oder ob Markus aus irgendeinem Grund überhaupt keinen eigentlichen Schluß geschrieben hat, darüber wissen wir nichts.
Als Jesus früh am ersten Wochentag auferstanden war, erschien er zuerst Maria aus Magdala, von der er sieben böse Geister ausgetrieben hatte. 10 Die ging hin und verkündigte es denen, die ihn einst begleitet hatten und die nun trauerten und weinten. 11 Doch als sie hörten, er lebe und sei von ihr gesehen worden, da glaubten sie es nicht. 12 Dann offenbarte er sich in anderer Gestalt Zweien von ihnen unterwegs, als sie zu einem Dorf gingen. 13 Die gingen auch hin und verkündigten es den übrigen. Aber auch ihnen glaubten sie nicht. 14 Später offenbarte er sich den Elf, als sie bei Tisch waren: er schalt ihren Unglauben und ihre Herzenshärtigkeit, weil sie denen, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen, nicht geglaubt hätten. 15 Dann sprach er zu ihnen: "Geht hin in alle Welt und verkündigt die Heilsbotschaft der ganzen Menschheit. 16 Wer dann zum Glauben kommt und sich taufen läßt, der soll errettet werden. Wer aber nicht glauben will, der wird verdammt. 17 Dies aber sind die Wunderzeichen, die den Gläubigen zuteil werden sollen: in meinem Namen werden sie böse Geister austreiben; sie werden mit neuen Zungen reden; 18 mit ihren Händen werden sie Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, soll es ihnen nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie sollen genesen." 19 Als der Herr Jesus so mit ihnen geredet hatte, ward er aufgehoben in den Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes. 20 Sie zogen aus und predigten überall. Dabei stand ihnen der Herr zur Seite und bestätigte ihr Wort durch die begleitenden Wunderzeichen.
Heb 2:4, Apg 14:3. Dieser Schluß unter Nr. 1, dem Hieronymus im Abendland Geltung verschafft hat, wird in einem Evangelienbuch des armenischen Klosters Etschmiadzin dem Presbyter Aristion zugeschrieben, den der Bischof Papias von Hierapolis (um 130) einen persönlichen Schüler des Herrn nennt. Jedenfalls reicht dieser Zusatz zum Markusevangelium bis in die erste Hälfte des zweiten Jahrhunderts zurück, und es ist sehr wohl möglich, daß er in Kleinasien, wo ja auch Aristion gewirkt hat, in der Umgebung des Apostels Johannes entstanden ist. Während dann der Zusatz in Italien und Gallien Eingang gefunden hat, ist er in Palästina abgelehnt worden.
Alles aber, was ihnen aufgetragen war, verkündigten sie
Die Frauen (V1.7).
in Kürze Petrus und seinen Gefährten.
Den anderen Aposteln.
Dann erschien ihnen
Allen Aposteln.
auch Jesus selbst und sandte durch sie vom Osten bis zum Westen die heilige und unvergängliche Botschaft des ewigen Heils.
Dieser sehr kurze Schluß, der wahrscheinlich im dritten oder vierten Jahrhundert in Ägypten entstanden ist, war weit verbreitet. Verschiedene Handschriften bieten ihn neben dem ersten Schluß, und zwar mehrere an erster Stelle.
/ Sie aber wollten sich rechtfertigen und sprachen:
Diese Anfangsworte in Zusatz 3 folgen unmittelbar auf V14 (in Schluß 1) nach: "nicht geglaubt hätten."
"Diese gesetzlose und ungläubige Weltzeit steht unter Satans Herrschaft, und der sucht durch die Wirksamkeit unreiner Geister zu verhindern, daß Gottes Wahrheit zur Geltung komme. Darum offenbare schon jetzt
Und nicht erst im Endgericht.
deine Gerechtigkeit!" So sprachen sie zu Christus.
Als ihnen der Auftrag in V15 zuteil geworden war. Die Apostel haben also, wie es nach ihren Worten scheint, keinen rechten Mut und kein freudiges Vertrauen zu der Predigt des Evangeliums.
Christus aber entgegnete ihnen: "Das Maß der Jahre für Satans Macht und Einfluß ist jetzt voll Aber eine schlimme Zeit anderer Art ist nahe!
Gemeint ist die Leidenszeit vor Christi Wiederkunft. Mt 24:6-13, 15-28
Zum Heil der Sünder aber bin ich in den Tod gegeben worden, damit sie sich zur Wahrheit wenden und nicht mehr sündigen, auf daß sie einst im Himmel den geistlichen und unvergänglichen Schmuck der Gerechtigkeit erlangen. So geht denn hin in alle Welt...
Nun folgt V15 in Schluß 1. — Dieser Zusatz unter 3, dessen Anfang schon der Kirchenvater Hieronymus kennt, ist erst im Jahr 1908 nach einer in Ägypten aufgefundenen Handschrift bekannt geworden.
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