Matthew 12

Zu jener Zeit ging Jesus an einem Sabbat durch Getreidefelder. Seine Jünger aber hatten Hunger; darum begannen sie, Ähren abzureißen und die Körner zu essen.
Das war erlaubt nach 5Mo 23:25.
Das sahen die Pharisäer und sprachen zu ihm: "Sieh, deine Jünger tun, was nicht erlaubt ist am Sabbat."
Das Ährenabreißen wurde von den strengen Gesetzeslehrern als eine Arbeit angesehen und dem Mähen gleichgestellt.
Er aber antwortete ihnen: "Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als ihn und seine Begleiter hungerte? Wie er in das Haus Gottes trat und die Schaubrote aß, die doch er und seine Begleiter nicht essen durften, sondern nur die Priester? Habt ihr ferner nicht gelesen im Gesetz, daß die Priester im Tempel auch am Sabbat tätig sind,
Die besonderen Opfer am Sabbat und das Zurichten der Schaubrote machten vieles nötig, was als Handarbeit angesehen werden konnte.
ohne sich zu versündigen?
Doch ich sage euch: Hier ist etwas Größeres als der Tempel.
Nämlich: Jesus selbst.
Verstündet ihr aber die Bedeutung des Wortes: Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer, so hättet ihr die Schuldlosen
Die Jünger.
nicht verurteilt.
Denn
Auch deshalb sind die Jünger schuldlos.
der Menschensohn ist Herr des Sabbats."
Er hat darum auch das Recht, den Sabbat abzuschaffen und ein Neues einzuführen.
Als er von dort weiterging, kam er in ihr Versammlungshaus.
Gemeint ist hier wohl die Synagoge der Ortschaft, in deren Nähe Jesus vorher mit den Pharisäern geredet hatte.
10 Da war ein Mann mit einem abgestorbenen Arm, und sie fragten ihn: "Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen?"
Die Pharisäer unterschieden 39 Hauptarbeiten, die am Sabbat verboten waren.
Denn sie suchten einen Grund, ihn zu verklagen.
Bei dem Synagogengericht.
11 Er aber antwortete ihnen: "Fiele einem von euch am Sabbat sein einziges Schaf in eine Grube, zöge er's da nicht sofort heraus? 12 Steht nun ein Mensch nicht hoch über einem Schaf? Also darf man auch am Sabbat Gutes tun." 13 Dann sprach er zu dem Mann: "Strecke deinen Arm aus!" Da streckte er ihn aus, und er ward wiederhergestellt und gesund wie der andere. 14 Als dann die Pharisäer den Gottesdienst verließen, berieten sie sich miteinander wider ihn, wie sie ihn zu Tode bringen könnten. 15 Aber Jesus erfuhr das und verließ jene Gegend. Viele begleiteten ihn, und er heilte alle.
Die der Heilung bedürftig waren.
16 Aber er schärfte ihnen ein, sie sollten ihn nicht öffentlich bekanntmachen, 17 damit sich der Ausspruch des Propheten Jesaja erfüllte:
Jes 42:1-4, teils nach der Übersetzung des Matthäus, teils nach LXX
18 Das ist mein Knecht, den ich erwählt, und mein Geliebter, den mein Herz erkoren. Ich lege meinen Geist auf ihn, und er soll den Völkern Recht
Gottes Wahrheit.
verkünden.
19 Er wird nicht zanken und nicht schreien,
Darum entzieht sich auch Jesus den nutzlosen Streitigkeiten mit den Pharisäern.
und seine Stimme schallt nicht auf den Straßen.
Alle Marktschreierei und alles Streben nach Ehre bei dem Volk liegt ihm fern.
20 Geknicktes Rohr zerbricht er nicht, und glimmenden Docht löscht er nicht aus,
Die reuigen Sünder, die Armen im Geiste, Mt 5:3 behandelt er mit schonender Milde.
bis er das Recht zu Sieg geführt.
Gerade durch dieses stille Wirken erringt er den herrlichsten Sieg.
21 Und auf seinen Namen werden die Völker hoffen. 22 Da wurde ein Besessener zu ihm gebracht, der war blind und stumm. Und er heilte ihn, so daß der Stumme redete und sah. 23 Da waren die Leute alle außer sich und sprachen: "Ist der etwa Davids Sohn?"
D.h. der verheißene Messias.
24 Als aber die Pharisäer davon hörten, sagten sie: "Nur im Bunde mit Beelzebul, dem Obersten der bösen Geister, treibt er die Teufel aus." 25 Er aber durchschaute ihre Gedanken und sprach zu ihnen: "Jedes Reich, das in sich selbst uneins ist, das fällt in Trümmer; und jede Stadt oder jedes Haus, das in sich selbst uneins ist, kann nicht bestehen. 26 Treibt nun der Satan den Satan aus, so ist er ja mit sich selbst im Streit: wie sollte da sein Reich bestehen können? 27 Treibe ich aber im Bunde mit Beelzebul die bösen Geister aus, mit wessen Hilfe treiben sie denn eure Anhänger
D.h. die Glieder der pharisäischen Partei. Von jüdischen Teufelsaustreibern lesen wir Lu 9:49, Apg 19:13.
aus? Sie werden darum eure Richter sein!
Sie widerlegen euch mit euern falschen Anklagen.
28 Treibe ich aber durch Gottes Geist die bösen Geister aus, so ist ja Gottes Königreich zu euch gekommen.
In Jesus und seinem Wirken war das Königreich Gottes schon da in Israel.
29 Oder
Wenn ich meine Wunder nicht durch Gottes Geist täte.
wie kann jemand in das Haus eines starken Kriegsmannes dringen und ihm seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken bindet? Erst dann kann er sein Haus berauben.
Den starken Satan überwindet der stärkere Christus.
30 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich;
Wer in dem Kampfe gegen Satan nicht auf Jesu Seite steht, der erklärt sich damit für seinen Feind.
und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.
Wer nicht mithilft, daß sich die zerstreute Herde Israels um Jesus als ihren Hirten sammelt, der macht ihren Zustand nur noch schlimmer.
31 Darum
Weil ihr mich so freventlich geschmäht habt und eure scheinbare Gleichgültigkeit gegen mich im Grunde nichts als Feindschaft ist.
sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben, die Lästerung des Geistes aber wird nicht vergeben.
32 Wer ein Wort sagt gegen den Menschensohn, dem wird vergeben. Wer aber wider den Heiligen Geist redet, der findet keine Vergebung:
Wer das offenbare Wirken Jesu in der Kraft des Heiligen Geistes aus Feindschaft gegen ihn bewußt als etwas Böses lästert, für den ist keine Vergebung möglich, solange er in dieser Sünde beharrt. Denn es fehlt die Bedingung der Vergebung: Sinnesänderung und Glaube an Jesus. Heb 6:4-6, 10:26-27, 1Jo 5:16-17
weder in dieser Weltzeit noch in der zukünftigen.
Die zukünftige Weltzeit beginnt mit Christi Wiederkunft.
33 Erklärt ihr den Baum für gut, so müßt ihr auch seine Frucht für gut halten. Erklärt ihr aber den Baum für schädlich, so müßt ihr auch seine Frucht für schädlich halten.
Jesus weist die Pharisäer auf die Ungereimtheit ihres Urteils hin. Müssen sie zugeben, daß Jesu Werke gut sind, so können sie auch seine göttliche Sendung nicht leugnen.
Denn an der Frucht erkennt man den Baum.
34 Ihr Schlangenbrut! wie könnt ihr Gutes reden, da ihr böse seid? Denn des Mundes Worte fließen aus des Herzens Quell. 35 Ein guter Mensch entnimmt aus seiner guten Vorratskammer Gutes; ein böser Mensch entnimmt aus seiner bösen Vorratskammer Böses. 36 Ich versichere euch aber: Von jedem bösen Worte, das die Menschen reden, müssen sie am Tage des Gerichtes Rechenschaft geben. 37 Denn nach deinen Worten sollst du freigesprochen und nach deinen Worten sollst du verurteilt werden." 38 Da redeten ihn einige Schriftgelehrte und Pharisäer an und sprachen: "Meister, wir wünschen von dir ein Zeichen zu sehen."
Wodurch deine göttliche Sendung deutlich beglaubigt wird.
39 Er antwortete ihnen: "Ein böses, gottvergessenes
Von dem Bunde Gottes abgefallenes.
Geschlecht begehrt ein Zeichen. Es soll ihm aber kein anderes Zeichen gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jona.
Hier ist zu denken an die wunderbare Errettung des Propheten Jona aus dem Bauch des Meeresungeheuers. Ähnlich wird Jesus durch seine Auferstehung aus dem Rachen des Todes errettet werden. Und wie Jona zu den Bewohnern Ninives als ein wunderbar vom Tod erretteter Gottesbote kam, so wird auch Jesus erst nach seiner Auferstehung seinen Beruf als Gottesbote Heb 3:1 vollkommen erfüllen.
40 Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte in des Riesenfisches Leib gewesen ist, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde
Im Grabe oder im Totenreich.
sein.
Für die Juden zur Zeit Jesu bestand ein Tag aus Abend und Morgen. 1Mo 1:5 Der Abend begann 12 Uhr mittags und endete 12 Uhr mitternachts. Der Morgen begann 12 Uhr mitternachts und endete 12 Uhr mittags. Die Juden konnten von drei Tagen und drei Nächten reden, auch wenn diese Zeiträume nicht voll waren (so K. Bornhäuser: Zeiten und Stunden, usw., 1921, S.6f., 46ff.).
41 Die Leute aus Ninive werden zugleich mit diesen Geschlecht
Mit Jesu unbußfertigen Zeitgenossen.
vor Gericht erscheinen
Am Tage des großen Endgerichts.
und es verurteilen;
Wodurch die heidnischen Bewohner des alten Ninive, die also von den Toten auferstehen werden, die ungläubigen jüdischen Zeitgenossen Jesu im Endgericht verurteilen, das folgt nun in dem Begründungssatz mit "denn." Die in diesem Satz ausgesprochene Tatsache, nicht etwa ein Richterspruch der Niniviten wird die Verurteilung der unbußfertigen Juden zur Folge haben.
denn sie bekehrten sich bei Jonas Predigt. Und hier steht doch einer, der größer ist als Jona!
42 Die Königin aus Süden
Die Königin von Saba in Südarabien 1Kön 10:1-13.
wird zugleich mit diesem Geschlecht vor Gericht erscheinen und es verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören. Und hier steht doch einer, der größer ist als Salomo!
Jesus, der ungleich höher steht als Jona und Salomo, wird von seinen Zeitgenossen verworfen: so schlimm steht es mit dem unbußfertigen Volke. Aber es wird noch schlimmer mit ihm werden: das zeigt das folgende Gleichnis in V43-45.
43 Ist der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren, so wandert er durch Wüsten:
Diese sind besonders der Wohnplatz böser Geister. Tobias 8:3 Bar 4:35
er sucht dort eine Ruhstatt und findet keine.
44 Dann spricht er: 'Ich will zurückgehen in mein Haus,
Gemeint ist der Mensch.
das ich verlassen habe.' Und kommt er dann, so findet er es leer, gefegt und wohlgeschmückt.
Alles lädt den bösen Geist zur Rückkehr ein.
45 Nun geht er hin und holt noch sieben andere Geister, die schlimmer sind als er: die ziehen ein und wohnen dort. So wird's mit einem solchen Menschen am Ende ärger als zuvor. Ganz ebenso wird es auch gehen mit diesem bösen Geschlecht."
Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus berichtet, seine Landsleute seien zur Zeit der Zerstörung Jerusalems (70 n. Chr.) noch gottloser gewesen als einst die Leute von Sodom.
46 Als er noch zum dem Volke redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen und wünschten ihn zu sprechen. 47 
V47 fehlt in manchen Handschriften. Er lautet: "Und jemand sagte ihm: 'Sieh, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wünschen dich zu sprechen.'"
48 Er aber antwortete dem, der ihm dies meldete: "Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?" 49 Dann wies er mit ausgestreckter Hand auf seine Jünger und sprach: "Da seht meine Mutter und meine Brüder! 50 Denn wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mir Bruder, Schwester und Mutter."
Die wahren Angehörigen Jesu sind seine treuen Jünger.
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