Matthew 24

Darauf verließ Jesus den Tempelplatz. Als er so mit seinen Jüngern dahinging,
Nämlich: dem Ölberg zu.
traten diese zu ihm und machten ihn auf den prächtigen Bau des Tempels aufmerksam.
Die Jünger können es nicht fassen, daß der Tempel noch zu ihrer Zeit zerstört werden soll. — Der von Herodes I im Jahr 20 v.Chr. begonnene Neubau des Tempels wurde erst sieben Jahre vor seiner Zerstörung wirklich vollendet.
Er aber sprach zu ihnen: "Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich, ich sage euch: Kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben; alles soll zerstört werden." Er ging dann auf den Ölberg
Nachdem er den Bach Kidron überschritten hatte.
und setzte sich dort nieder. Da traten die Jünger, als sie allein waren, zu ihm und sprachen: "Sag uns doch: Wann wird dies geschehen,
Nämlich: das, wovon Mt 23:38-39 die Rede ist: die Zerstörung und Verödung des Tempels und Jesu Wiederkunft in Verbindung mit Israels Bekehrung.
und was ist das Zeichen deiner Wiederkunft und des Endes dieser Weltzeit?"
D.h.: an welchem Vorzeichen kann man erkennen, daß deine Wiederkunft und das Ende des gegenwärtigen Weltlaufs nahe sind? Dies sind zwei Fragen, die aufs engste zusammenhängen, und deren Beantwortung auch von Jesus nicht scharf geschieden wird. — Über das Wort "Wiederkunft" (griechisch: parusia) vgl. die Anmerkung zu 1Kor 15:23.
Jesus antwortete ihnen: "Habt acht, daß euch niemand verführe! Denn mancher wird kommen unter meinem Namen
Unter dem Namen Christus oder Messias.
und behaupten: 'Ich bin der Messias!' Diese Leute werden viele irreführen.
Ihr werdet auch hören von Kriegen und Kriegsgerüchten. Laßt euch dadurch nicht schrecken! Denn das alles muß so kommen. doch es ist noch nicht das Ende.
Nämlich: der gegenwärtigen Weltzeit. Es gehört noch der Zeit vor Jesu Wiederkunft an.
Denn ein Volk wird sich erheben gegen das andere und ein Reich gegen das andere; hier und da werden Hungersnöte und Erdbeben sein. Dies alles ist aber erst der Anfang der Nöte.
Wörtlich: "der Wehen." — "Die Wehen des Messias," die die Neugeburt der Welt einleiten sollen, Mt 19:28 sind nach jüdischer Ausdrucksweise die Leidenszeit, die der Ankunft des Messias vorhergeht. Das V6-8 Geschilderte ist also erst der Anfang der Leiden der letzten Zeit.
Zu der Zeit wird man euch verfolgen und töten; ja alle Völker werden euch hassen, weil ihr meine Jünger seid.
Zu jener Zeit wird es also nicht nur in Israel, sondern unter allen Völkern Jünger Jesu geben.
10 Dann werden viele vom Glauben abfallen, sie werden einander verraten und hassen. 11 Auch werden falsche Propheten in großer Zahl auftreten und viele verführen. 12 Und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe bei den meisten erkalten.
Also in der Gemeinde Jesu wird ein großer Abfall eintreten. 2Th 2:3
13 Wer aber bis ans Ende
Bis auf Christi Kommen.
ausharrt, der soll errettet werden.
14 Die Frohe Botschaft vom Königreich, die schon jetzt erschallt, soll in der ganzen Welt verkündigt werden, damit alle Völker ein Zeugnis empfangen.
Von Jesus und seiner Wahrheit.
Dann erst wird das Ende kommen.
15 Seht ihr nun den Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte stehen, wovon Daniel, der Prophet, geredet hat
Da 8:13, 9:27, 11:31, 12:11. Es ist hier nicht die Rede von einer Zerstörung, sondern von einer Entweihung der heiligen Stätte, d.h. des Tempels. 2Th 2:3-4
— wer das liest, beachte es wohl!
Dies ist wohl eine Einschaltung des Evangelisten. vgl. Off 13:18, 17:9
—,
16 dann sollen, die in Judäa sind,
Dies bezieht sich auf die Christen.
in die Berge fliehen.
Das geschah, als die Gläubigen vor der Einschließung Jerusalems durch die römischen Heere im Jahr 70 n. Chr. auf eine göttliche Offenbarung hin die Stadt und das Land verließen und in dem Ort Pella jenseits des Jordan eine sichere Zuflucht fanden.
17 Wer auf dem Dach ist, gehe nicht erst ins Haus hinunter, um noch seine Habe zu holen;
Von den platten Dächern der Häuser konnte man unmittelbar auf die Straße kommen; jeder soll ohne Aufenthalt den kürzesten Weg zur Flucht ergreifen. Lu 17:31
18 und wer auf dem Feld ist,
Wo er nur im Unterkleid arbeitete.
der kehre nicht in die Wohnung zurück, um sich noch sein Oberkleid zu holen.
19 Doch weh den Frauen, die Kinder erwarten, und stillenden Müttern in jenen Tagen!
Denn sie haben unter den Beschwerden der eiligen Flucht besonders zu leiden.
20 Betet aber, daß eure Flucht nicht in den Winter oder auf den Sabbat falle!
Im Winter wäre die Flucht für alle mühsam, und am Sabbat würde sie durch die Vorschriften der Gesetzeslehrer gehindert werden, die an diesem Tag nur einen Weg von 2000 Ellen erlaubten. Apg 1:12 Hier wird an Judenchristen gedacht, die noch den Sabbat feiern.
21 Denn es wird dann eine große Trübsal sein, wie noch keine gewesen ist von Anfang der Welt bis heute, und wie auch keine wieder kommen wird. 22 Und wären diese Tage
Der Trübsal und Verfolgung.
nicht abgekürzt,
Nämlich: in Gottes Ratschluß. vgl. Da 7:25, 12:7, 11, Off 12:6, 14, 13:5
so würde kein Mensch errettet.
Sondern alle würden der Versuchung erliegen Off 3:10 und vom Glauben abfallen. Off 13:5-18
Doch um der Auserwählten willen
Damit sie treu bleiben und errettet werden.
werden jene Tage abgekürzt.
23 Wenn euch dann jemand sagt: 'Jetzt ist der Messias hier oder da', so glaubt es nicht! 24 Denn es werden falsche Messiasse und falsche Propheten auftreten und große Zeichen und Wunder tun, um womöglich auch die Auserwählten zu verführen. 25 Ich warne euch! 26 Sagt man euch also: 'Er
Der ersehnte Messias oder Retter.
ist jetzt in der Wüste', so geht nicht hinaus, oder: 'er ist in diesem oder jenem Haus', so glaubt es nicht!
27 Denn wie der Blitz im Osten aufzuckt, und bis zum Westen leuchtet, so
So plötzlich und zugleich so wahrnehmbar für alle Erdbewohner.
wird auch die Wiederkunft des Menschensohnes sein.
28 Denn wo der Leichnam liegt, da sammeln sich die Geier.
Es scheint sich hier um eine sprichwörtliche Redensart, vielleicht im Anschluß an Hio 39:30, zu handeln. Ist die Feindschaft gegen Gott zu der in V15 angegebenen Höhe gestiegen, sind da, wo göttliches Leben wohnen sollte, Tod und Verwesung eingezogen, dann wird auch das Gericht hereinbrechen, und über das geistlich Tote soll Verderben kommen. 2Th 2:8, Da 7:25-27
29 Gleich aber nach jener Trübsalszeit wird sich die Sonne verfinstern und der Mond kein Licht mehr geben, die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Himmelskräfte
Wohl die Kräfte, die das Himmelsgewölbe aufrecht halten.
werden wanken.
2Pe 3:10, Jes 13:10, 34:4, Hes 32:7-8, Joe 2:30-31. Die gewaltigen Ereignisse, die unmittelbar nach der Trübsal eintreten sollen, werden den Eindruck erwecken, als breche der Himmel zusammen.
30 Dann
D.h. nach den V29 angegebenen Erscheinungen, die gleichsam nur die Vorbereitung zu dem in V30 berichteten Ereignis bilden.
erscheint am Himmel das Zeichen des Menschensohnes,
Dieses Zeichen des Menschensohnes scheint von dem gleich darauf erwähnten herrlichen Kommen des Menschensohnes selbst verschieden zu sein. Worin aber das Zeichen besteht, wird nicht gesagt.
und bei seinem Anblick werden wehklagen alle Völker der Erde; denn sie werden den Menschensohn kommen sehen auf des Himmels Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit.
31 Und er wird seine Boten senden;
Und zwar noch ehe er auf des Himmels Wolken kommt.
die sollen die Posaune blasen, daß es weithin schallt:
Das Blasen der Posaunen weist auf ein allgemein vernehmbares Zeugnis: 1Th 4:16.
so werden sie seine Auserwählten zu ihm sammeln
2Th 2:1 "unser Versammeltwerden zu ihm".
von allen Himmelsgegenden aus aller Welt.
32 Vom Feigenbaum entnehmt eine Lehre: Wenn seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist. 33 So sollt ihr auch, wenn ihr dies alles seht, gewiß sein, daß Er
Der Menschensohn.
nahe vor der Tür ist.
34 Wahrlich, ich sage euch: Diese Weltzeit
Das hier gebrauchte griechische Wort genea heißt bei Matthäus 1) Zeitgenossen, d.h. das zur Zeit der Rede lebende Geschlecht, Mt 11:16, 12:41-42, 45, 23:36 2) Geschlecht (der Vorfahren) Mt 1:17,3) Art, Mt 17:17 4) die gegenwärtige Weltzeit, die mit der Wiederkunft Christi abschließt. Mt 24:34 — Nun wird freilich behauptet, he genea in Verbindung mit haute (diese) heiße stets im Neuen Testament die Zeitgenossen, d.h. das zur Zeit der Rede lebende Geschlecht. Dann würde Jesus in V34 sagen, das Geschlecht, zu dem er rede, werde seine Wiederkunft in Herrlichkeit noch erleben. Dies stünde aber im Widerspruch mit dem folgenden V36, wo Jesus ausdrücklich erklärt, Tag und Stunde seiner Wiederkunft sei nur dem Vater bekannt. (Nach einer anderen Lesart heißt es hier — wie Mr 13:32 —: "nicht einmal der Sohn" kennt Tag und Stunde.) Und auch mit dem Vorangehenden stimmte die Übersetzung von genea durch: "das jetzt lebende Geschlecht" nicht. — Die Frage der Jünger in V3 setzt voraus, das Ende dieser Weltzeit, das mit Christi Wiederkunft eintritt, stehe nahe bevor, und der Übergang von dieser zu der kommenden Weltzeit oder dem Reich der Herrlichkeit werde leicht vonstatten gehen. Demgegenüber zeigt ihnen aber Jesus, welche Leiden und Versuchungen die Seinen in dieser Weltzeit noch zu bestehen haben. Erst wenn die Trübsal ihren Höhepunkt erreicht hat, erst dann, nicht früher, ist diese Weltzeit abgelaufen, erst dann erscheint Jesus in seiner Herrlichkeit, und dann beginnt das kommende Weltalter. Genea ist also V34 gleichbedeutend mit dem sonst gebräuchlichen aion, und es entspricht wie dieses dem hebräischen —lam, wofür aber auch dor = genea stehen kann. Ha olam hadseh ("diese Weltzeit") bedeutet bei den Juden die Zeit vor dem Kommen des Messias, ha olam habba ("die künftige Weltzeit") bedeutet die Zeit nach seinem Kommen. Die Griechen gebrauchen übrigens genea auch im Sinne von "Weltzeit, Weltalter;" he chryse genea z.B. heißt "das goldene Weltalter oder Zeitalter".
ist nicht eher zu Ende, als bis dies alles geschehen ist.
35 Himmel und Erde werden vergehen,
Hier ist von keiner Weltvernichtung, sondern von einer Welterneuerung die Rede. 2Pe 3:13, Off 21:1
meine Worte aber werden nimmermehr vergehen.
D.h. sie werden nicht unerfüllt bleiben.
36 Den Tag und die Stunde
Der Wiederkunft Jesu.
aber kennt niemand, auch die Engel des Himmels nicht, sondern nur mein Vater allein.
37 Wie es aber zuging in Noahs Tagen, so wird's auch zugehen bei der Wiederkunft des Menschensohnes. 38 In den Tagen vor der Sintflut aßen und tranken die Menschen, sie nahmen zur Ehe und gaben
Nämlich: ihre Töchter.
zur Ehe.
Die Menschen lebten gleichgültig und sorglos in ihrem gewöhnlichen Treiber dahin.
So trieben sie's bis zu dem Tage, als Noah in die Arche ging;
39 und sie ahnten die Gefahr nicht, bis die Flut hereinbrach und sie alle hinwegraffte. Ganz ebenso wird's bei der Wiederkunft des Menschensohnes sein. 40 Da werden zwei Männer auf demselben Acker arbeiten: der eine wird mitgenommen,
Den nimmt Jesus bei seinem Kommen zu sich, vgl. Joh 14:3, wo im Griechischen dasselbe Zeitwort gebraucht wird.
der andere bleibt zurück.
D.h.: er bleibt hier auf Erden zurück und fällt dadurch dem Gericht anheim, ähnlich wie es zu Noahs Zeit allen erging, die nicht in die Arche Aufnahme fanden. Vgl. Lu 17:26, 27, 35, 36.
41 Zwei Frauen werden an derselben Mühle mahlen: die eine wird mitgenommen, die andere bleibt zurück. 42 So wacht nun!
Schlaft und träumt nicht, versunken in das Getriebe dieser Welt.
Ihr wißt ja nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.
43 Das seht ihr ein: wenn ein Hausherr wüßte, zu welcher Nachtstunde der Dieb käme, so bliebe er wach und ließe nicht in sein Haus einbrechen. 44 Darum haltet auch ihr euch immerfort bereit; denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht vermutet. 45 Wäre doch jeder Knecht treu und klug, den ein Hausherr
Der längere Zeit von zu Hause fern sein muß.
über sein Gesinde
D.h. über die anderen Sklaven oder leibeigenen Knechte.
setzt, damit er ihnen Speise gebe zu rechter Zeit!
Hier ist die Rede von solchen, die der Herr zu Dienern, Aufsehern und Vorstehern in seiner Gemeinde eingesetzt hat.
46 Wohl dem Knecht, den sein Herr bei seiner Rückkehr also tätig findet!
Daß er dem Gesinde zu rechter Zeit Speise gibt.
47 Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter
Nicht nur über sein Gesinde.
setzen.
48 Ist aber der Knecht gewissenlos und denkt in seinem Herzen: 'Mein Herr bleibt noch lange weg'; 49 fängt er dann an, die ihm untergebenen Knechte zu mißhandeln, während er mit Trunkenbolden schmaust und zecht; 50 so wird sein Herr ihn überraschen an einem Tag, wo er's nicht erwartet. 51 Dann wird er ihn blutig peitschen lassen und ihn an den Ort verweisen, wo die Heuchler sind. Dort wird lautes Klagen und Zähneknirschen sein.
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