Matthew 27

Nach Tagesanbruch
Etwa um 6 Uhr morgens.
berieten alle Hohenpriester und die Ältesten des Volkes, wie sie das Todesurteil an Jesus
Das sie Mt 26:66 gefällt hatten.
am besten vollziehen lassen könnten.
Dann führten sie ihn gefesselt ab und überlieferten ihn dem Statthalter Pontius Pilatus.
Jedes vom Hohen Rat gefällte Todesurteil mußte von dem römischen Statthalter als dem Stellvertreter des Kaisers bestätigt werden. Pilatus war 26-36 n. Chr. Statthalter von Judäa.
Als Judas, sein Verräter, sah, daß er verurteilt worden war, da brachte er, von Reue gequält,
Diese Reue war keine gottgefällige Traurigkeit, 2Kor 7:10 sondern nur die Qual des bösen Gewissens; sie wirkte bei Judas den Tod.
die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück
und sprach: "Ich habe mich versündigt durch den Verrat unschuldigen Bluts." Sie antworteten ihm: "Was geht uns das an? Das ist deine Sache!" Da warf er das Geld in den Tempel und eilte davon, ging hin und erhängte sich. Die Hohenpriester aber nahmen das Geld und sprachen: "Es darf nicht in den Tempelschatz gelegt werden, denn es ist Blutgeld."
Ähnlich war das Gesetz 5Mo 23:18.
So kauften sie denn nach einer Beratung den bekannten Töpferacker
D.h. einen Acker, den früher ein Töpfer besessen hatte und der den Bewohnern Jerusalems, für die ja Matthäus zunächst geschrieben hat, unter dem Namen Töpferacker wohlbekannt war.
dafür zum Begräbnisplatz für die Fremden.
Hier ist wahrscheinlich besonders an auswärtige Festpilger zu denken, die während ihres Aufenthaltes in Jerusalem starben.
Darum heißt der Acker noch heutigentags der Blutacker. So erfüllte sich das Wort des Propheten Jeremia: Ich nahm die dreißig Silberlinge, die ich als Lohn empfangen für ihn, auf den einige der Söhne Israels
Nämlich die Mitglieder des Hohen Rates.
einen Preis gesetzt,
10 und gab sie für den Töpferacker, wie mir der Herr befohlen hatte.
Diese Stelle, in der Matthäus den Verräter Judas redend einführt, findet sich nicht in diesem Wortlaut bei Jeremia; sondern sie erinnert zunächst an Sac 11:12-13, lehnt sich aber jedenfalls an Jer 18:2-4, 32:6-9. Ich lese in V10  εδωκα, nicht  εδωκαν.
11 Jesus wurde nun vor den Statthalter geführt. Der fragte ihn: "Bist du der Juden König?" Jesus antwortete: "Ja, ich bin's."
Wörtlich: "Du sagst es." Damit bejaht Jesus die an ihn gerichtete Frage wie Mt 26:64.
12 Doch auf die Anklagen der Hohenpriester und Ältesten erwiderte er nichts. 13 Da sprach Pilatus zu ihm: "Hörst du nicht, was sie alles gegen dich vorbringen?" 14 Aber er antwortete ihm auf keine einzige Frage, so daß es den Statthalter sehr wunder nahm. 15 Nun pflegte der Statthalter an jedem Passahfest dem Volk nach dessen freier Wahl einen Gefangenen loszugeben.
Wohl zur Erinnerung an die Befreiung Israels aus Ägypten.
16 Man hatte damals aber einen berüchtigten Gefangenen, der hieß Barabbas.
D.h. Sohn des Vaters, ein auch sonst vorkommender Beiname.
17 Als sich nun viele aus dem Volk angesammelt hatten, fragte sie Pilatus: "Wen soll ich euch losgeben: Barabbas oder Jesus, den man den Messias nennt?"
In alten Handschriften des zweiten Jahrhunderts führt hier auch Barabbas den bei den Juden nicht seltenen Namen Jesus (Jesus Barabbas).
18 Er wußte nämlich, daß sie ihn nur aus Neid überantwortet hatten. 19 Während er auf dem Richterstuhl
Der vor seinem Palast unter freiem Himmel stand.
saß, ließ seine Frau
Die Sage nennt sie Klaudia Prokula.
ihm sagen: "Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten;
Tue ihm nichts zuleide.
denn ich habe heute nacht einen unheilvollen Traum über ihn gehabt."
Sie fürchtet, ihr Mann könne sich durch die Verurteilung eines Gerechten die göttliche Rache zuziehen. Diese Heidin hatte wohl mehr von Jesus und seiner Wirksamkeit gehört.
20 Die Hohenpriester und die Ältesten hatten indes das Volk dazu beredet, Barabbas sich loszubitten und Jesu Tod zu fordern. 21 Als nun der Statthalter sie von neuem fragte: "Wen von diesen beiden soll ich euch losgeben?", da riefen sie: "Barabbas!" 22 Pilatus sprach zu ihnen: "Was soll ich denn mit Jesus machen, den man den Messias nennt?" Sie riefen alle: "Ans Kreuz mit ihm!" 23 Da fragte der Statthalter: "Was hat er denn verbrochen?" Sie aber schrien nur noch lauter: "Ans Kreuz mit ihm!" 24 Als nun Pilatus einsah, daß er nichts erreichte, sondern daß der Lärm immer ärger wurde, da ließ er Wasser bringen, wusch sich vor aller Augen die Hände
Um nach einer bekannten jüdischen Sitte damit seine Unschuld an Jesu Tod zu erklären: 5Mo 21:6-7.
und sprach: "Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten! Seht ihr zu!"
Wie ihr es verantworten könnt.
25 Da rief das ganze Volk: "Sein Blut komme auf uns und auf unsere Kinder!" 26 Da gab er ihnen Barabbas los. Jesus aber ließ er geißeln
Nach römischer Sitte ging die Geißelung der Kreuzigung voraus. Die Römer verhängten den Kreuzestod als "Sklaventod" über Unfreie und Nichtbürger.
und übergab ihn dann (den Soldaten) zur Kreuzigung.
27 Nun führten die Soldaten des Statthalters Jesus in das Innere des Palastes
Die römischen Statthalter, deren Wohnsitz in Cäsarea am Meer war, wohnten bei ihrem Aufenthalt in Jerusalem in dem früheren Palast des Königs Herodes d. Gr.
und sammelten die ganze Schar
Wörtlich: "die ganze Kohorte." Die römische Kohorte, der zehnte Teil der Legion, hatte etwa 600 Mann. Natürlich kann sich nur ein kleiner Teil dieser Abteilung in dem Palast befunden haben, so daß der Ausdruck ganz allgemein von einer Schar Soldaten gebraucht wird.
ihrer Genossen, um ihren Spott mit ihm zu treiben.
Wörtlich: "sie sammelten die ganze Schar gegen ihn".
28 Sie entkleideten ihn, legten ihm einen scharlachroten Soldatenmantel um,
Der sein Königsmantel sein sollte.
29 flochten aus Dornen eine Krone
Vgl. G. Dalman: Orte und Wege Jesu, 1924, S.263ff.
und setzten sie ihm aufs Haupt und gaben ihm einen Rohrstab
Als Königszepter.
in seine rechte Hand. Dann beugten sie die Knie vor ihm und riefen höhnisch: "Heil dir, Judenkönig!"
30 Dabei spien sie ihn an, nahmen den Rohrstab und schlugen ihn damit aufs Haupt. 31 Als sie so ihren Spott mit ihm getrieben hatten, zogen sie ihm den Soldatenmantel aus, legten ihm seine eigenen Kleider wieder an und führten ihn ab zur Kreuzigung. 32 Als sie die Stadt verließen,
Die Hinrichtungen geschahen außerhalb der Stadt. 1Kön 21:13, Apg 7:58
trafen sie einen Mann aus Kyrene,
Kyrene mit einer zahlreichen jüdischen Bevölkerung war eine große und blühende Stadt Libyens in Nordafrika.
namens Simon. Den zwangen sie, Jesu Kreuz zu tragen.
33 So kamen sie zu einem Platz, namens Golgatha, das heißt Schädelstätte.
Der Hügel hatte seinen Namen wahrscheinlich von seiner schädelförmigen Gestalt.
34 Dort gaben sie
Die römischen Soldaten, die Jesus kreuzigen sollten.
ihm betäubenden Wein zu trinken.
Mit einem betäubenden Gift gemischter Wein (an unserer Stelle wörtlich: "Wein mit Galle," d.h. hier jedenfalls mit Gift von bitterem Geschmack gemischt) wurde nach jüdischer und heidnischer Sitte den Hinzurichtenden angeboten, um sie für die Schmerzen abzustumpfen.
Doch als er ihn gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken.
Er wollte alle Schmerzen mit vollem Bewußtsein leiden.
35 Nach seiner Kreuzigung verteilten sie seine Kleider unter sich, indem sie das Los darüber warfen.
Nach einem römischen Gesetz fielen die Kleider der Hingerichteten den Vollstreckern des Urteils zu. — Hinter "das Los darüber warfen" lassen einige Handschriften die Worte folgen: "damit der Ausspruch des Propheten in Erfüllung gehe: Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und über mein Gewand das Los geworfen." Ps 22:18 Aber nach den besten Zeugen sind diese Worte nicht ursprünglich; sie sind hier jedenfalls aus Joh 19:24 eingefügt worden.
36 Dann setzten sie sich dort nieder und hielten bei ihm Wache.
Die Gekreuzigten wurden bewacht.
37 Über seinem Haupt aber war eine Inschrift angebracht mit der Angabe seiner Schuld,
Auch dies pflegte sonst bei Kreuzigungen zu geschehen.
die lautete: Dies ist Jesus, der Juden König.
38 Auch wurden mit ihm zwei Räuber gekreuzigt, der eine zu seiner Rechten, der andere zu seiner Linken. 39 Die Vorübergehenden aber schmähten ihn: sie schüttelten den Kopf 40 und sprachen: "Du wolltest ja den Tempel niederreißen und ihn in drei Tagen wiederbauen. Nun hilf dir selbst! Bist du Gottes Sohn, so steige vom Kreuz herab!" 41 Auch die Hohenpriester samt den Schriftgelehrten und den Ältesten spotteten und sagten: 42 "Anderen hat er geholfen, und sich selbst kann er nun nicht helfen! Er will ja der König Israels sein! Nun gut, so mag er jetzt vom Kreuz heruntersteigen! Dann wollen wir an ihn glauben. 43 Er hat auf Gott vertraut; der mag ihn nun retten, wenn's ihm gefällt.
Ps 22:8 Weish. Sal. 2,13.17-20.
Er hat ja gesagt: ich bin Gottes Sohn."
44 Ebenso beschimpften ihn die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren. 45 Von der sechsten Stunde aber bis zur neunten
Von 12 Uhr mittags bis 3 Uhr nachmittags.
bedeckte Finsternis die ganze Gegend.
D.h. Jerusalem und seine Umgebung: dies scheint der Sinn des griechischen Ausdrucks zu sein.
46 Und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: "Eli, Eli, lema sabachthani!" Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 47 Als dies einige der Umstehenden hörten, sprachen sie: "Der ruft Elia."
Dies ist eine spöttische Verdrehung der Worte Jesu.
48 Sofort lief einer von ihnen hin, nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig, steckte ihn auf einen Rohrstab und wollte ihm zu trinken geben. 49 Da sprachen die anderen: "Laß doch!
Gib ihm nicht zu trinken!
Wir wollen sehen, ob Elia wirklich kommt und ihm hilft."
Dies ist offenbar Spott gegenüber der mitleidigen Tat dessen, der Jesus zu trinken geben will. Denn Jesu Angstruf schien ihm von quälendem Durst, der gewöhnlichen furchtbaren Plage der Gekreuzigten, zu zeugen.
50 Jesus aber schrie nochmals laut und gab den Geist auf. 51 In diesem Augenblick zerriß der Tempelvorhang
Durch einen Vorhang wurde das Heilige von dem Allerheiligsten getrennt. Außerdem gab es aber damals im Tempel noch einen anderen prächtigen Vorhang: der hing vor der Eingangspforte, die aus der Vorhalle in das Heilige führte. Nun hat aber nach jüdischen Berichten gerade an dieser Eingangspforte während des Passahfestes um das Jahr 30 (oder 29) n. Chr. zur Zeit des Abendopfers ein wunderbarer Vorgang stattgefunden, der von den Schriftgelehrten als ein Vorzeichen von der Zerstörung des Tempels betrachtet wurde. Ebenso haben auch die alten Kirchenväter des Zerreißen des Vorhangs im Augenblick des Todes Jesu auf den Untergang des Tempels gedeutet (vgl. Th. Zahn: Das Evangelium des Matthäus, S.706f.).
von oben bis unten in zwei Stücke.
52 Die Erde erbebte. Die Felsen zerbarsten. Die Gräber
Die Felsengräber in der Nähe von Jerusalem.
öffneten sich, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen
Viele Gerechte der Vorzeit, die dort begraben lagen.
wurden auferweckt;
53 die gingen aus ihren Gräbern hervor, kamen nach seiner Auferstehung in die heilige Stadt
Jerusalem.
und erschienen vielen.
54 Als aber der Hauptmann und seine Leute, die bei Jesus Wache hielten, das Erdbeben und, was sich sonst noch zutrug, sahen, da wurden sie von großer Furcht erfüllt und sprachen: "Dieser Mann ist wirklich Gottes Sohn gewesen!"
Sie hatten wohl gehört, daß Jesus wegen dieses Bekenntnisses angeklagt und gekreuzigt worden war.
55 Es waren dort auch viele Frauen, die von fern zusahen: sie hatten Jesus von Galiläa her begleitet und ihm gedient. 56 Unter ihnen waren auch Maria aus Magdala,
Einer Ortschaft am Westufer des Sees Genezaret.
Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.
57 Am Abend kam ein reicher Mann, aus Arimathäa
D.i. wohl Rama (Ramathaim) in Efraim, Samuels Geburtsort, 1Sa 1:19 später als Stadt Judäas bezeichnet (1. Makk. 11,34 Lu 23:51).
gebürtig, mit Namen Josef, der auch eine Jünger Jesu geworden war.
Wohin Josef, der jedenfalls in Jerusalem seinen Wohnsitz hatte, kam, wird nicht gesagt. Er kam wohl nach Golgatha und begab sich von da zu Pilatus.
58 Der ging zu Pilatus und bat ihn um Jesu Leichnam. Da befahl Pilatus, man solle ihm den Leichnam überlassen. 59 Nun nahm Josef den Leichnam, ließ ihn in reine Leinwand wickeln 60 und in ein noch unbenutztes Grab legen, da er für sich in einen Felsen hatte hauen lassen. Dann ließ er einen großen Stein vor die Grabesöffnung wälzen und entfernte sich.
Vgl. über Christi Grab G. Dalman: Orte und Wege Jesu, 1924, XXI, Golgatha und das Grab.
61 Maria aus Magdala aber und die andere Maria blieben dort und setzten sich dem Grab gegenüber. 62 Am nächsten Tag, am Tag nach dem Freitag,
D.h. also am Sabbat; wörtlich: "am Tag nach der Vorbereitung" auf den Sabbat.
kamen die Hohenpriester und die Pharisäer gemeinsam zu Pilatus
63 und sprachen: "Herr, es ist uns eingefallen, daß jener Betrüger bei seinen Lebzeiten gesagt hat: 'Nach drei Tagen werde ich auferstehen.' 64 Laß nun das Grab bis zum dritten Tag streng bewachen, damit nicht etwa seine Jünger kommen und ihn stehlen und dann zum Volk sagen: 'Er ist von den Toten auferstanden.' Dann wäre der letzte Betrug noch schlimmer als der erste."
Als den ersten Betrug sehen sie wohl Jesu Erklärung an, daß er der verheißene Messias sei. Es scheint, sie wollen Pilatus glauben machen, es drohe dem Staate eine Gefahr, wenn Jesu Jünger seine Auferstehung verkündigten.
65 Pilatus sprach zu ihnen: "Ihr sollt eine Wache haben. Geht hin und verwahrt das Grab, so gut ihr könnt." 66 Da gingen sie hin und sicherten das Grab: sie versiegelten den Stein
Etwa so, daß sie Fäden über den Stein zogen, die dann an den Enden mit Siegelerde am Grab angesiegelt wurden.
und stellten die Wache aus.
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