Psalms 106

Lobet Jah! / Danket Jahwe, denn er ist gütig; / Ewig währet ja seine Huld. Wer kann gebührend von Jahwes Taten reden / Und all seinen Ruhm erschöpfend verkünden? Heil denen, die das Gesetz befolgen, / Die Gerechtigkeit üben zu jeder Zeit! Gedenke mein, o Jahwe! / Auch mir schenk die Huld, die dein Volk erfährt! / Auch mich sieh an, wenn du ihm hilfst! Dann schau ich mit Lust deiner Erwählten Glück, / Dann teil ich die Freude deines Volks / Und darf mich rühmen mit deinem Erbe.
D.h. mit deinem auserwählten Volk Israel. — In V4 und 5 bittet der Dichter für sich selbst; er sehnt sich danach, als Glied des Volkes Gottes auch Anteil an dem Segen zu empfangen, den Gott seinem Volk schenkt.
Wir haben gesündigt gleich unsern Vätern, / Haben gottlos gehandelt, gefrevelt. Unsre Väter in Ägypten achteten nicht deiner Wunder, / Gedachten nicht deiner Gnadenfülle, / Sondern waren widerspenstig am Meer, am Schilfmeer. Er aber rettete sie um seines Namens willen, / Um seine Macht zu beweisen. Er schalt das Schilfmeer, da ward es trocken. / In den Fluten ließ er sie ziehn wie auf blachem Feld. 10 So befreite er sie aus des Hassers Hand / Und erlöste sie aus des Feindes Gewalt. 11 Die Wasser bedeckten ihre Bedränger: / Nicht einer von ihnen blieb übrig. 12 Da vertrauten sie auf seine Worte, / Sie sangen seinen Ruhm. 13 Doch schnell vergaßen sie seine Taten, / Warteten nicht, daß sein Rat sich erfülle.
Sie warteten nicht geduldig auf das, was Gott mit ihnen vorhatte, sondern sie griffen Gottes gnädigem Rat mit ihrer Lüsternheit vor (V14).
14 Sondern lüstern wurden sie in der Wüste / Und versuchten Gott in der Öde. 15 Da erfüllte er wohl ihr Verlangen, / Aber dann sandte er ihnen Krankheit zu. 16 Sie waren auch neidisch auf Mose im Lager, / Auf Aaron, Jahwes Geweihten. 17 Da tat sich die Erde auf: sie verschlang Datan / Und bedeckte die Rotte Abirams. 18 Feuer ergriff ihre Rotte, / Die Flamme verzehrte die Frevler. 19 Sie machten ein Kalb am Horeb / Und beteten dann dies Gußbild an. 20 Ihres Gottes Herrlichkeit gaben sie hin / Für das Bild eines Stieres, der Gras frißt. 21 Sie hatten Gott, ihren Retter, vergessen, / Der Großes getan in Ägypten, 22 Wunder im Lande Hams, / Erstaunliche Dinge am Schilfmeer. 23 Er wollte sie schon vertilgen: / Doch da trat Mose, sein Auserwählter, vor ihm in den Riß,
Mose deckte gleichsam die Bresche, indem er sich hinstellte, um sein eigenes Leben zum Opfer zu bringen. 2Mo 32:30-34; 5Mo 9:18-19, 10:10.
/ Um seine Zornglut abzuwenden, / Daß er sie nicht verderbe.
24 Sie verschmähten das köstliche Land,
Kanaan.
/ Sie trauten seiner Verheißung nicht,
25 Sondern murrten in ihren Zelten, / Gehorchten nicht Jahwes Stimme. 26 Da hub er auf seine Hand und schwur, / Sie niederzuschlagen in der Wüste, 27 Ihre Nachkommen unter die Völker zu werfen, / Sie zu zerstreuen in die Länder. 28 Sie hängten sich an den Baal Peôr / Und aßen Opfer für Tote.
Die Götzenopfer heißen Totenopfer, weil die Götzen tot sind im Gegensatz zu dem lebendigen Gott.
29 So reizten sie ihn mit ihrem Tun. / Da riß unter ihnen ein Sterben ein. 30 Nun aber trat Pinehas auf und hielt Gericht: / Da ward der Plage Einhalt getan. 31 Das ward ihm gerechnet zur Gerechtigkeit / Für alle Geschlechter, für immer. 32 Sie erzürnten ihn weiter am Haderwasser, / Und übel ging's Mose um ihretwillen. 33 Denn sie
Die Israeliten.
hatten seinem Geist
Gottes Geist.
widerstrebt, / So daß ihm unbedachte Worte entfuhren.
34 Sie vertilgten auch nicht die Völker, / Wie ihnen Jahwe geboten hatte. 35 Sondern sie ließen sich ein mit den Heiden / Und nahmen an ihrem Treiben teil: 36 Sie dienten ihren Götzen, / Die wurden ihnen zum Fallstrick. 37 Sie opferten ihre Söhne / Und ihre Töchter den bösen Geistern. 38 So vergossen sie schuldlos Blut, / Das Blut ihrer Söhne und Töchter, / Die sie opferten Kanaans Götzen, / Daß das Land durch Blutschuld entweiht ward. 39 So wurden sie unrein durch ihr Tun / Und fielen von Gott durch ihr Treiben ab. 40 Da entbrannte Jahwes Zorn wider sein Volk, / Er fühlte Abscheu gegen sein Erbe. 41 Drum gab er sie in der Heiden Hand, / Daß ihre Hasser über sie herrschten. 42 Ihre Feinde bedrängten sie, / Sie mußten sich beugen ihrer Gewalt. 43 Oftmals zwar befreite er sie, / Doch in Eigensinn lehnten sie sich auf: / Drum gingen sie unter in ihrer Schuld. 44 Er aber sah gnädig auf ihre Not, / Als er ihr lautes Schrein vernahm. 45 Da gedachte er ihnen
Zu ihrem Heil.
an seinen Bund / Und hatte Mitleid in großer Huld.
46 Er ließ sie Erbarmen finden / Bei allen, die sie ins Elend
In die Gefangenschaft.
geführt.
Dieser Vers weist auf eine Zeit, wo die Weltmacht den Juden schon günstiger gesinnt war. Wir haben hier wohl an die Zeit des Perserkönigs Cyrus zu denken, der die Rückkehr der Juden nach Kanaan veranlaßte (Esra 1).
47 Hilf uns, Jahwe, unser Gott, / Und sammle uns aus den Heiden!
Eine Bitte um die Heimkehr aller noch unter den Heiden zerstreuten Juden nach Kanaan.
/ Dann wollen wir danken deinem heiligen Namen, / Uns glücklich preisen, dich zu loben.
Mit Ps. 106 beginnt die Reihe der Hallelujah-Psalmen, d.h. der Psalmen, die die Aufforderung "Hallelûjah" (Lobet Jah) als Anfang und Überschrift haben. Es sind außer Ps. 106 noch die Psalmen 111-113 117 135 146-150. — Mit Ps 106:47-48 vgl. 1Ch 16:34-36 und den zweiten Teil der Anm. zu Ps 96:1, Psalm 106 beschäftigt sich ebenso wie die Psalmen 78 und 105 mit der Geschichte der israelitischen Vorzeit. Aber dabei besteht zwischen den drei Psalmen ein Unterschied: in Ps. 78 herrscht dabei die Belehrung vor, in Ps. 105 die Danksagung und in Ps. 106 die Bußgesinnung. Ps. 106 ist ein gottesdienstliches Bußgebet, das vielleicht noch in der babylonischen Gefangenschaft entstanden ist.
48 Gepriesen sei Jahwe, Israels Gott, / Von Ewigkeit zu Ewigkeit! / Und alles Volk spreche: / "Ja wahrlich! Lobt Jah!"
V48 gehört nicht mehr zu Ps. 106. Er schließt vielmehr als Lobpreisung das vierte Buch des Psalters.
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