Psalms 120

Die Psalmen 120-134 bilden eine besondere Gruppe: sie führen den Namen Maalôt-Lieder. Das hebräische Wort Maalôt bedeutet zunächst "Hinaufzüge." Die Einzahl lautet Maalâh = Hinaufsteigen, Hinaufreisen. An diese Bedeutung des Wortes haben sich zwei verschiedene Erklärungen geknüpft. Man betrachtet diese 15 Psalmen als Reiselieder der Juden, die aus der babylonischen Verbannung nach Jerusalem hinaufzogen, um dort den Tempel wiederaufzubauen. Aber diese Deutung verbietet sich schon dadurch, daß in Psalm 122 der Bestand und der Besuch des Tempels und in Psalm 134 die volle Übung des Tempeldienstes schon vorausgesetzt werden. Zweitens nimmt man an, diese 15 Psalmen seien von den Pilgern gesungen worden, die zu den drei hohen Festen 5Mo 16:16 nach Jerusalem wallfahrteten. Wenn nun freilich auch Psalm 134 als ein Zuruf der Festpilger an die Tempelwächter angesehen werden könnte, so fügen sich doch manche der Lieder nicht dieser Deutung, und zudem läßt sich auch nicht nachweisen, daß das Wort Maalâh von einem Hinaufziehen der Festpilger nach Jerusalem gebraucht worden wäre. Nun hat aber dieses Wort noch eine andere Bedeutung: es heißt nicht nur "Hinaufsteigen," sondern es bezeichnet auch das, worauf man hinaufsteigt, nämlich "die Stufe." An diese Wortbedeutung schließt sich nun drittens eine Erklärung, die den Bau dieser 15 Psalmen im Auge hat: ein neues Glied des Psalms wiederholt einen Teil des vorangehenden, so daß sich der Versbau gleichsam stufen- oder treppenartig fortbewegt. So lautet z.B. Ps 120:2b "Von arglistiger Zunge," und V3b fährt dann fort: "Du arglistige Zunge." In Ps. 121,1b heißt es: "Woher wird mir Hilfe kommen?" Dies wird dann wieder aufgenommen in V2: "Meine Hilfe kommt von Jahwe." Doch ein solcher Bau findet sich nicht in allen 15 Psalmen, und außerdem treffen wir ihn auch sonst im Psalter sowie in anderen Stellen des Alten Testaments, z.B. in dem Lied der Debora. Ri 5:3.6 Endlich kommt noch eine vierte Erklärung in Frage, bei der die "Stufen" wörtlich genommen werden. Im Tempel führten 15 Stufen aus dem Vorhof der Frauen in den Vorhof der Männer. Auf diesen 15 Stufen sangen nun die Leviten am Abend des ersten Tages des Laubhüttenfestes bei der Feier des Wasserschöpfens ihre Lieder, und zwar soll auf jeder der 15 Stufen ein Psalm vorgetragen worden sein. In der Nähe dieser 15 Stufen befanden sich auch zwei unterirdische Zellen, in denen die Leviten ihre Musikinstrumente aufzubewahren pflegten. So ist wohl am wahrscheinlichsten, daß unsere 15 Psalmen auf diesen 15 Stufen gesungen worden sind und daß daher der Name "Stufenlieder" in ganz wörtlicher Bedeutung zu verstehen ist. Ein Stufenlied. / Zu Jahwe hab ich gerufen in meiner Not, / Und er hat mich erhört. Jahwe, so rette mich auch jetzt von der Lügenlippe, / Von arglistiger Zunge! Was wird er
Nämlich: Gott.
dir geben, was dir zufügen, / Du arglistige Zunge?
Scharfe Pfeile eines Starken
Der Starke ist Gott. Gott vergilt der bösen Zunge, d.h. dem Verleumder ganz nach seinen Werken. Der Verleumder, der mit seiner Zunge scharfe Pfeile auf seinen Nächsten geschossen s. Ps 57:5 und ihm feurige Angstglut bereitet hat (vgl. Spr. Sal. 16,27), soll nun dafür durch Gottes Gericht Schmerzen erfahren, als würde er von scharfen Pfeilen getroffen und von den glühenden Kohlen des in der Wüste wachsenden Ginsterstrauches versengt.
/ Mit glühenden Kohlen aus Ginstersträuchern.
Weh mir, daß ich ein Fremdling bin in Meschech,
Meschech bedeutet das Volk der Moscher, die zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer wohnten. 1Mo 10:2, Hes 27:13, 38:2
/ Bei Kedars Zelten
Kedar oder die Kedarener waren ein räuberischer Nomadenstamm Arabiens. 1Mo 25:13 Beide Namen stehen hier bildlich für rohe, streitsüchtige Völker. Wegen seiner verleumderischen und händelsüchtigen Umgebung war dem Psalmisten zumute, als lebte er unter jenen barbarischen Völkern. Während er selbst sich nach Frieden sehnt, wollen seine tückischen und arglistigen Feinde immer wieder Krieg und Streit mit ihm anfangen.
wohnen muß!
Zu lange schon hab ich weilen müssen / Bei denen, die Frieden hassen. Ich will Frieden; doch wenn ich nur rede, / So beginnen sie Krieg.
Copyright information for GerAlbrecht