Psalms 78

Eine Betrachtung(?) Asafs.
Asaf schließt den Psalm mit der Zeit Davids (V70-72); aber er dichtete ihn wahrscheinlich erst unter Salomo, weil er in V69 den erst von diesem König erbauten Tempel erwähnt. Der Psalm warnt ernstlich, durch einen Rückblick auf die Geschichte Israels, vor der Eifersucht Efraims oder der nördlichen Stämme auf Juda. Wie wichtig diese Warnung war, das zeigte sich sofort nach Salomos Tod. Da trat der alte Gegensatz zwischen Efraim und Juda durch den Abfall der zehn Stämme vom Hause Davids furchtbar zutage.
/ Vernimm, mein Volk, meine Lehre, / Neigt euer Ohr meines Mundes Reden!
Meinen Mund will ich öffnen zu Sprüchen, / Will aus der Vorzeit Rätsel verkünden.
Der Dichter will die Geschichte der Väter als "Sprüche" und "Rätsel" vortragen, indem er die Tatsachen der Vergangenheit zu einem Spiegel für seine Zeitgenossen macht. — Nach Mt 13:34-35 ist Ps 78:2 eine Weissagung auf Christus, und Asaf wird dort wie auch in 2Ch 29:30 ein Prophet oder Seher genannt.
Was wir gehört und erfahren, / Was uns unsre Väter erzählt: Wollen wir unsern Kindern nicht verhehlen, / Indem wir der Nachwelt erzählen / Jahwes Ruhmestaten und Macht / Und seine Wunder, die er getan. Er stellte ein Zeugnis in Jakob auf / Und gab ein Gesetz in Israel. / Unsern Vätern befahl er's an, / Daß sie ihre Kinder es lehrten. Denn die Nachkommen sollen es kennenlernen: / Kinder, die noch sollen geboren werden, / Die sollen auch selbst auftreten / Und ihren Kindern davon erzählen, Damit sie auf Gott ihr Vertrauen setzen, / Nicht vergessen der Taten Gottes / Und seine Gebote halten. Denn sie sollen nicht werden wie ihre Väter, / Ein störrig, widerspenstig Geschlecht, / Ein Geschlecht mit schwankendem Sinn, / Das nicht treu hielt an seinem Gott.
Wörtlich: "Dessen Geist nicht zuverlässig gegen Gott war." Vgl. 5Mo 32:5-6.
Efraims Söhne, gerüstete Bogenschützen, / Kehrten um am Tage der Schlacht.
Es ist unsicher, ob hier an ein bestimmtes Ereignis zu denken ist. Vielleicht will der Dichter in V9-11 nur sagen, daß Efraim die Sache Gottes kampfscheu im Stich gelassen hat.
10 Sie hielten nicht den Bund Elohims / Und wollten nicht wandeln nach seinem Gesetz. 11 Sie vergaßen seiner großen Taten, / Seiner Wunder, die sie geschaut. 12 Vor ihren Vätern hatte er Wunder getan
In V12 kehrt der Dichter wieder zu dem ganzen Israel zurück und schildert die großen Taten Gottes, die das Volk bei dem Auszug aus Ägypten und während der Wüstenwanderung erfahren durfte.
/ In Ägyptenland, in Zoans Gefild.
Zoan, von den Griechen Tanis genannt, war die alte Residenz der ägyptischen Könige. Dort tat Mose seine Wunder vor Pharao.
13 Er teilte das Meer und führte sie durch / Und türmte die Wasser wie einen Damm. 14 Er leitete sie durch die Wolke bei Tag / Und die ganze Nacht mit feurigem Licht. 15 Er spaltete Felsen in der Wüste / Und tränkte sie reich mit Meeresflut. 16 Er brachte Bäche hervor aus dem Fels, / Ließ Wasser wie Ströme fließen. 17 Doch sündigten sie weiter gegen ihn, / Widerstrebten dem Höchsten im dürren Lande.
V17-29: Fortgesetzter Ungehorsam Israels gegen Gott, der aber dennoch seinem Volk gnädig hilft.
18 In ihrem Herzen versuchten sie Gott / Und forderten Speise für ihr Gelüst. 19 Sie redeten so wider Elohim: / Kann Gott einen Tisch in der Wüste decken? 20 Er hat wohl den Fels geschlagen, daß Wasser floß / Und Bäche ergiebig strömten: / Doch vermag er auch Brot zu geben / Oder Fleisch zu verschaffen seinem Volk?" 21 Als Jahwe das hörte, ergrimmte er, / Und Feuer entbrannte in Jakob, / Auch Zorn stieg auf wider Israel. 22 Denn sie glaubten nicht an Elohim, / Auf seine Hilfe vertrauten sie nicht. 23 Dennoch gebot er den Wolken droben, / Und des Himmels Türen öffnete er: 24 Er ließ Man auf sie regnen zur Speise / Und gab ihnen Himmelsbrot. 25 Engelspeise
Weish. Sal. 16,20. Das Manna heißt Engelspeise, weil es aus dem Himmel, der Wohnung der Engel, stammte oder weil es den Israeliten durch Vermittlung der Engel zuteil wurde.
aßen sie alle, / Zehrung sandte er ihnen in Fülle.
26 Er ließ den Ostwind am Himmel wehn, / Führte durch seine Macht den Südwind herbei. 27 Er ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub / Und beschwingte Vögel wie Sand am Meer. 28 In ihr Lager ließ er sie fallen, / Rings um ihre Gezelte her. 29 Da aßen sie, wurden übersatt / Und ihr Gelüst befriedigte er. 30 Aber noch war ihre Lust nicht gestillt, / Noch war die Speise in ihrem Mund:
V30-39: Gottes Strafgericht wegen der Unmäßigkeit des Volkes, das aber trotzdem in seinem Ungehorsam fortfährt.
31 Da stieg Elohims Zorn wider sie auf — / Er streckte ihre Starken zu Boden, / Schlug nieder die Jünglinge Israels. 32 Trotz alledem sündigten sie aber fort / Und glaubten an seine Wunder nicht. 33 Drum ließ er ihre Tage schwinden in Nichts / Und ihre Jahre in jäher Hast.
V33 bezieht sich darauf, daß alle Israeliten, die aus Ägypten gezogen waren, vom 20. Lebensjahr an, in der Wüste sterben sollten. Nur Josua und Kaleb blieben verschont. Vgl. 4Mo 14:28-34.
34 Wenn er sie tötete, suchten sie ihn, / Kehrten um und fragten nach Gott, 35 Gedachten, wie Elohim ihr Fels / Und Gott der Höchste ihr Retter sei. 36 Doch heuchelten sie ihm mit ihrem Mund, / Mit ihrer Zunge logen sie ihm.
Indem sie sich Gott menschlich vorstellten, suchten sie ihn mit schönen Reden für sich zu gewinnen.
37 Ihr Herz war ihm nicht treu, / Sie hielten nicht fest an seinem Bund. 38 Doch er war barmherzig, vergab die Schuld / Und vertilgte sie nicht. / Oft hielt er seinen Zorn zurück, / Ließ nicht seinen ganzen Grimm ergehn, 39 Sondern dachte daran: sie sind nur Fleisch,
Nach Leib und Seele schwach und ohnmächtig.
/ Ein Hauch, der vergeht und nicht wiederkehrt.
Nach einem kurzen Leben verfällt der Mensch dem Tod.
40 Wie oft widerstrebten sie ihm in der Wüste, / Betrübten sie ihn in der Öde!
4Mo 14:22. V40-55: Eine erneuerte Klage über den Ungehorsam der Israeliten gegen Gott, der sie wunderbar aus Ägypten führte und ihnen den Sieg über die Kanaaniter schenkte.
41 Immer wieder versuchten sie Gott, / Den Heiligen Israels kränkten sie. 42 Sie gedachten nicht seiner Hand,
Seiner Allmacht.
/ Auch nicht des Tages, da er sie erlöste von ihrem Dränger:
Dem Pharao.
43 Als er in Ägypten Zeichen tat, / Seine Wunder in Zoans Gefild. 44 Er wandelte ihre Ströme in Blut, / Daß sie ihr Wasser nicht trinken konnten.
2Mo 7:19-20. In V44ff. ist die Geschichte der zehn ägyptischen Plagen kurz zusammengefaßt, doch nicht ängstlich genau, sondern mehr aus dem Gedächtnis.
45 Er sandte ihnen Bremsen,
Oder Hundsfliegen, die besonders dem Vieh blutige Beulen verursachen.
die sie fraßen, / Und Frösche, die sie verderbten.
46 Er gab ihr Gewächs den Nagern
Den Freßheuschrecken.
preis, / Den Heuschrecken
Den Zugheuschrecken. Vgl. 2Mo 10:13.
ihrer Felder Ertrag.
47 Ihre Weinstöcke schlug er mit Hagel, / Ihre Maulbeerbäume mit Schlossen. 48 Dem Hagel lieferte er aus ihr Vieh / Und ihre Herden den Blitzen. 49 Er sandte gegen sie seines Zornes Glut / Mit Ingrimm, Wüten und Angst: / Eine Schar verderbender Engel. 50 Er ließ seinem Zorne freien Lauf, / Bewahrte sie nicht vor dem Tode, / Sondern gab der Pest ihr Leben preis. 51 Er schlug alle Erstgeburt in Ägypten, / Die erste Manneskraft
Was der Manneskraft zuerst entsprossen ist, nämlich: die erstgeborenen Söhne.
in Hams Gezelt.
Hams Gezelt bedeutet Ägypten; vgl. 1Mo 10:6, Ps 105:23, 106:22.
52 Sein Volk aber ließ er wie Schafe ziehn / Und leitete sie in der Wüste wie eine Herde. 53 Er führte sie sicher, daß sie nicht zagten; / Ihre Feinde aber bedeckte das Meer.
Das Rote Meer oder das Schilfmeer. 2Mo 14:19,22,27
54 Er brachte sie in sein heilig Gebiet, / Auf den Berg, den seine Rechte erworben. 55 Völker
Die Völker Kanaans.
trieb er vor ihnen aus, / Gab ihnen ihr Land zum Erbbesitz, / Und in ihren Zelten ließ er Israels Stämme wohnen.
56 Doch sie versuchten und reizten Elohim den Höchsten, / Und seine Gebote hielten sie nicht.
In V56-64 wird Israels Undankbarkeit gegen Gott während der Richterzeit geschildert.
57 Sondern wie ihre Väter wichen sie treulos ab, / Versagten wie ein trüglicher Bogen.
Der das rechte Ziel verfehlt.
58 Sie erzürnten ihn durch ihre Höhn,
Durch den Götzendienst auf den Höhen der Hügel und Berge (vgl. 1. Kön. 11,7; 12,31).
/ Durch ihre Bilder
Götzenbilder.
reizten sie ihn.
59 Das hörte Elohim
Wie die Israeliten zu den Götzen beteten.
und zürnte: / Er verwarf Israel ganz und gar.
60 Er verließ die Wohnung in Silo, / Das Zelt, das er unter Menschen errichtet.
1Sa 1:3, 4:11. In der Richterzeit befand sich die Stiftshütte in Silo. Jos 18:1 In den Tagen Elis und Samuels war in Silo sogar ein fester Tempel (1Sam. 1-3), der aber später, vielleicht nach dem Sieg der Philister bei Afek (1Sam. 4), zerstört wurde. Jer 7:12
61 Er ließ seine Macht gefangennehmen / Und gab seinen Ruhm in des Feindes Hand.
Gottes "Macht" und "Ruhm" ist die Bundeslade, die in der Schlacht bei Afek in die Hände der Philister fiel. 1Sa 4:4-11
62 Er gab sein Volk dem Schwerte preis, / Und über sein Erbe zürnte er. 63 Ihre Jünglinge
Die Jünglinge der Israeliten.
fraß das Feuer,
Das Kriegsfeuer: sie fielen im Kampf, bei Afek 30000. 1Sa 4:10
/ Ihren Jungfraun ward kein Hochzeitslied.
Sie mußten unvermählt bleiben, weil es an Jünglingen fehlte, die sie zur Ehe nehmen konnten.
64 Ihre Priester fielen durchs Schwert,
Hier ist wohl besonders an Hofni und Pinehas zu denken.
/ Und ihre Witwen weinten nicht.
Sie konnten den gefallenen Männern zu Ehren keine Totenklage halten. vgl. 1Sa 4:17-22
65 Da erwachte Adonái wie vom Schlaf,
Israel meinte, Gott schlafe, solange es unter der Herrschaft der Heiden schmachtete. — Mit V65 nimmt der Psalm eine neue Wendung. Nachdem Israel durch das Strafgericht gesichtet und geläutert worden ist, erbarmt sich Gott seines Volkes aufs neue: er verwirft zwar Efraim, aber er erwählt nun Juda, indem er aus diesem Stamm David zum König erhebt (V65-72).
/ Wie ein Held, dessen Mut der Wein gestärkt.
66 Er schlug seine Feinde
Zunächst die Philister, dann aber auch alle Feinde, die später unter Saul und David besiegt wurden.
zurück, / Tat ihnen ewige Schande an.
Das galt namentlich von den Philistern insofern, als sie ihre Macht und Selbständigkeit für immer einbüßten.
67 Josefs Zelt
Das Stiftszelt in Silo.
verwarf er zwar, / Und Efraims Stamm erwählte er nicht.
68 Sondern Judas Stamm erkor er, / Den Zionsberg, den er liebgewonnen. 69 Er baute hochragend sein Heiligtum,
Den Tempel.
/ Wie die Erde,
Fest und dauernd wie die Erde.
die er auf ewig gegründet.
70 Er erwählte sich David, seinen Knecht, / Nahm ihn von den Hürden der Schafe. 71 Von den säugenden Schafen holte er ihn, / Daß er weide Jakob, sein Volk, / Und sein Erbteil Israel. 72 Er weidete sie auch mit lauterm Sinn / Und führte sie klug mit seiner Hand.
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