John 1

1. Abschnitt: Vorwort. - Zeugnis des Täufers; die ersten Jünger; das erste Zeichen.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott;
Hier steht im Griechischen bei Gott nicht, wie gerade vorher und nachher, der bestimmte Artikel, was offenbar sagen will, daß das Wort (der Logos) nicht der (bestimmte und persönliche) Gott, sondern nur göttliches Wesen war. Übrigens schließt auch schon die Benennung "Wort" die Persönlichkeit ganz entschieden aus, denn das Wort (oder auch der Verstand) eines Redenden ist nie und nimmer ein zweites persönliches Ich neben ihm, sondern nur das an sich unpersönliche Organ, welches die Offenbarung seines Geistesleben vermittelt. — Nur vom unpersönlichen Wort, nicht vom Sohne Gottes, oder einer angeblichen zweiten Person der Gottheit, behauptet Johannes die Fleischwerdung (V. 14). Bekanntlich redet auch Philo von Alexandrien vom Logos, und man hat deshalb den Verfasser unseres Evangeliums schon als einen Schüler desselben bezeichnen wollen; aber dies ist sehr verkehrt, denn beide Männer verstehen unter dem Logos etwas ganz Verschiedenes. Philo und seine Schüler hätten nie daran gedacht zu sagen: "Das Wort ward Fleisch". Ihnen wäre dies Blödsinn gewesen.
Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist auch nicht eines geworden, was geworden ist. In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt. Es war ein Mensch, von Gott gesandt, sein Name war Johannes. Derselbe kam zum Zeugnis, damit er zeugte von dem Licht, damit alle durch ihn glauben sollten. Derselbige war nicht das Licht, sondern damit er zeugte von dem Licht. Das wahrhaftige Licht, welches jeden Menschen erleuchtet, war in die Welt kommend. 10 Es war in der Welt, und die Welt ist durch es geworden, und die Welt erkannte ihn nicht. 11 Er kam in das Seine, und die Seinigen nahmen ihn nicht auf; 12 Wieviele ihn aber annahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, den an seinen Namen Gläubigen, 13 Welche nicht aus dem Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott gezeugt sind. 14 Und das Wort ward Fleisch, und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, wie des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. - 15 Johannes zeugt von ihm; rief und sprach: Dieser war es, von dem ich sprach: Der nach mir kommt, der ist vor mir geworden, denn er war erster vor mir. 16 Und aus seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. 17 Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben, die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus, den Messias, geworden. 18 Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Busen ist, der hat es uns verkündigt. 19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten sandten, daß sie ihn fragen sollten: Wer bist du? 20 Und er bekannte, und leugnete nicht, und bekannte: Ich bin nicht der Messias! 21 Und sie frugen ihn: Was denn? Bist du Elias? Und er sagt: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? und er antwortete: Nein. 22 Da sprachen sie zu ihm: Wer bist du? damit wir eine Antwort geben denen, die uns gesandt haben? Was sagst du von dir selbst? 23 Er sprach: Ich bin "die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn", wie Jesaias, der Prophet b , gesagt hat. 24 Und die Gesandten waren von den Pharisäern. 25 Und sie frugen ihn, und sagten ihm: Warum taufst du denn, wenn du nicht de Messias, noch Elias, noch der Prophet bist? 26 Johannes antwortete ihnen, und sprach: Ich taufe in Wasser; aber mitten unter euch steht, welchen ihr nicht kennt, 27 Der nach mir kommt, dessen ich nicht würdig bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. 28 Dies geschah in Bethanien jenseits des Jordan, wo Johannes taufte. 29 Am Tage nachher sieht er Jesus zu sich kommen, und sagt: Siehe, Gottes Lamm, das die Sünden der Welt wegnimmt. 30 Dieser ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir geworden ist, denn er war erster vor mir. 31 Und ich kannte ihn nicht, sondern damit er Israel offenbar würde, darum bin ich gekommen, in Wasser zu taufen. 32 Und Johannes zeugte, und sprach: Ich habe den Geist gesehen herabsteigen, wie eine Taube, aus dem Himmel, und er blieb auf ihm. 33 Und ich kannte ihn nicht; sondern der mich gesandt hat, im Wasser zu taufen, derselbige sagte zu mir: Auf welchen du siehst den Geist herabsteigen, und auf ihm bleiben, dieser ist der in heiligen Geiste tauft. 34 Und ich habe gesehen, und habe bezeugt, daß dieser ist der Sohn Gottes (d. h. der Messias) 35 Am Tage nachher stund Johannes abermal, und zwei von seinen Jüngern, 36 Und er blickte Jesus an, der umherwandelte, und sagt: Siehe, das Lamm Gottes. 37 Und es hörten ihn seine zwei Jünger reden, und folgten Jesus nach. 38 Als aber Jesus sich umwandte, und sie nachfolgen sah, sagt er ihnen: Was suchet ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi, das heißt übersetzt Lehrer, wo wohnst du? 39 Er sagte ihnen: Kommet und sehet! Sie kamen, und sahen, wo er wohnte, und bleiben jenen Tag bei ihm. Es war etwa die zehnte Stunde.
d. h. 4 Uhr nachmittags.
40 Einer von den Zweien, die von Johannes gehört hatten, und ihm nachfolgten, war Andreas, der Bruder von Simon Petrus. 41 Dieser findet zuerst seinen eigenen Bruder Simon, und sagt ihm: Wir haben den Messias gefunden: Das heißt übersetzt (Christus) der Gesalbte. 42 Und er führte ihn zu Jesus. Als Jesus ihn ansah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn Jonas; du wirst Kephas heißen, das ist übersetzt Petrus (Felsenmann). 43 Am Tage nachher wollte er weggehen nach Galiläa, und findet Philippus, und Jesus sagt ihm: Folge mir nach! 44 Philippus war von Bethsaida, aus der Stadt des Andreas und Petrus. 45 Philippus findet Nathanael, und sagt ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Moses im Gesetz geschrieben hat, und die Propheten, Jesus den Sohn Josephs von Nazareth. 46 Und Nathanael sprach zu ihm: Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen? Philippus sagt ihm; Komm und siehe! 47 Jesus sah Nathanael zu sich kommen, und sagt von ihm: Siehe, wahrhaftig ein Israelite, in welchem kein Falsch ist. 48 Sagt ihm Nathanael: Woher kennst du mich? Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Ehe dich Philippus rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich. 49 Nathanael antwortete, und sagt ihm: "Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels. 50 Jesus antwortete, und sprach zu ihm: Weil ich dir gesagt habe, daß ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du? Du wirst Größeres, als das, sehen. 51 Und er sagt ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet von nun an den Himmel geöffnet sehen, und die Engel Gottes hinauf= und herabsteigen auf den Menschensohn.
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